SolingenKein Platz für neue Unternehmen und Arbeitsplätze: Buschfeld bleibt dauerhaft Landwirtschaftsfläche

Kein Platz für neue Unternehmen und Arbeitsplätze: Buschfeld bleibt dauerhaft Landwirtschaftsfläche

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Nach jahrelangem Streit fällt die Entscheidung: Fläche in Solingen-Wald bleibt Landwirtschaft

Solingen – Nach jahrelangen politischen Diskussionen ist nun eine weitreichende Entscheidung gefallen: Das Buschfeld in Solingen-Wald wird dauerhaft nicht als Gewerbegebiet entwickelt. Der Regionalrat Düsseldorf hat die Aufstellung der 25. Änderung des Regionalplans beschlossen und damit den Weg dafür geebnet, die Fläche künftig ausschließlich als landwirtschaftlichen Freiraum auszuweisen.

Damit endet ein Verfahren, das Politik und Verwaltung über viele Jahre beschäftigt hat. Die bislang als „Allgemeiner Siedlungsbereich“ (ASB) vorgesehene Fläche soll künftig als „Allgemeiner Freiraum- und Agrarbereich“ dargestellt werden. Zusätzlich erhält das Gebiet die Funktion „Schutz der Landschaft und landschaftsorientierten Erholung“.

Mehrere Anläufe bis zur Entscheidung

Bereits seit vielen Jahren bestand in Solingen parteiübergreifend Einigkeit darüber, das Buschfeld dauerhaft von einer möglichen gewerblichen Entwicklung auszunehmen. Ein entsprechender Antrag der Stadt scheiterte jedoch bereits im Jahr 2018 im Regionalrat.

Nachdem der Solinger Stadtrat seine Position erneut bekräftigt hatte, stellte die Stadtverwaltung im Jahr 2024 einen weiteren Antrag bei der Bezirksregierung Düsseldorf. Die Regionalplanungsbehörde sprach sich allerdings erneut gegen die Herausnahme der Fläche aus. Dennoch wurde der Fall erneut dem Regionalrat vorgelegt.

Die Entscheidung wurde aufgrund eines umfangreichen politischen Diskurses mehrfach vertagt. Schließlich folgte der Regionalrat der Einschätzung der Regionalplanungsbehörde mehrheitlich nicht und leitete das Verfahren zur Änderung des Regionalplans ein.

Regionalplan wird nun überarbeitet

Im Vorfeld der jetzigen Entscheidung hatten sich Vertreter der Stadtverwaltung, der Bezirksregierung, Mitglieder des Regionalrates sowie Befürworter und Gegner der geplanten Änderung direkt am Buschfeld getroffen. Vor Ort wurden die unterschiedlichen Positionen ausführlich diskutiert und die jeweiligen Argumente gegeneinander abgewogen.

Nun wurde mit großer Mehrheit der erste von insgesamt zwei notwendigen Beschlüssen zur Regionalplanänderung gefasst. Für Solingens Beigeordneten für Planung, Bauen, Verkehr und Umwelt, Andreas Budde, ist dies ein wichtiger Schritt. Der Regionalrat komme damit den mehrfachen Beschlüssen des Solinger Stadtrates nach langer Überzeugungsarbeit nach. „Die Änderung des Regionalplans kommt nun in die konkrete Überarbeitung“, erklärte Budde.

Mit einem zweiten Beschluss soll die Änderung anschließend endgültig rechtskräftig werden. Damit wäre das Buschfeld dauerhaft als landwirtschaftliche Fläche sowie als Bereich für Landschaftsschutz und landschaftsorientierte Erholung gesichert.


Kommentar von Chefredakteur Lars Schulz

Eine vertane Chance für Solingens Zukunft

Der Schutz von Natur und Landschaft ist zweifellos wichtig. Daran besteht kein Zweifel. Doch ebenso wichtig ist die wirtschaftliche Zukunft einer Stadt.

Gerade in der aktuellen Situation stellt sich die Frage, ob Solingen es sich überhaupt leisten kann, potenzielle Gewerbeflächen endgültig aufzugeben. Die Stadt kämpft mit einem historischen Haushaltsdefizit, rückläufigen Gewerbesteuereinnahmen und einer insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung. Gleichzeitig suchen Unternehmen händeringend nach geeigneten Flächen für Neuansiedlungen oder Erweiterungen.

Das Foto (DS) zeigt SN-Chefredakteur Lars Schulz

Vor diesem Hintergrund erscheint die politische Entscheidung, eine der wenigen größeren Entwicklungsflächen dauerhaft aus der Gewerbeplanung herauszunehmen, schwer nachvollziehbar.

Industrie und Naturschutz sind kein Widerspruch

Dabei muss längst niemand mehr zwischen Industrie und Umweltschutz wählen. Moderne Gewerbegebiete sehen heute völlig anders aus als noch vor wenigen Jahrzehnten. Begrünte Dachflächen, Photovoltaikanlagen, integrierte Grünzüge, Regenwassermanagement, großzügige Ausgleichsflächen und nachhaltige Bauweisen gehören vielerorts längst zum Standard. Wirtschaftliche Entwicklung und Natur- beziehungsweise Klimaschutz schließen sich nicht gegenseitig aus – sie können unter den richtigen Rahmenbedingungen sehr wohl gemeinsam funktionieren.

Ein falsches Signal zur falschen Zeit

Natürlich muss nicht jede Grünfläche bebaut werden. Doch jene potenzielle Gewerbefläche kategorisch auszuschließen, sendet in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das falsche Signal. Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, zahlen Gewerbesteuern und sichern langfristig die finanzielle Handlungsfähigkeit einer Kommune.

Die Solinger Politik hat hier offensichtlich eine wichtige Chance für die Zukunft der Stadt leichtfertig verspielt. Gerade angesichts der angespannten Haushaltslage und der wirtschaftlichen Herausforderungen wäre es verantwortungsvoller gewesen, sich diese Option zumindest offenzuhalten. Entwicklung und Umweltschutz sind heute kein Widerspruch mehr – wer beides intelligent miteinander verbindet, schafft Perspektiven für kommende Generationen.

Lars Schulz
Chefredakteur Solinger Nachrichten

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