Dies & DasNach schweren Hundeattacken: Solinger Veterinäramt warnt vor unterschätzten Risiken für Kinder

Nach schweren Hundeattacken: Solinger Veterinäramt warnt vor unterschätzten Risiken für Kinder

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Solingen – Mehrere schwere Hundeattacken auf Kinder in Deutschland haben in den vergangenen Wochen erneut die Diskussion über den sicheren Umgang zwischen Kindern und Hunden entfacht. Auch wenn solche tragischen Fälle glücklicherweise selten sind, zeigen sie, dass gefährliche Situationen häufig im eigenen Zuhause oder im vertrauten Umfeld entstehen – und nicht nur bei Begegnungen mit fremden Hunden.

Vor diesem Hintergrund hat sich die Redaktion der Solinger Nachrichten an das Bergische Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt (BVLA) gewandt, das für Solingen, Remscheid und Wuppertal zuständig ist. Die Experten geben klare Empfehlungen, wie sich viele Beißvorfälle vermeiden lassen.

Kinder und Hunde niemals unbeaufsichtigt lassen

Die wichtigste Botschaft des Veterinäramtes ist eindeutig: Säuglinge und Kleinkinder sollten grundsätzlich niemals unbeaufsichtigt mit einem Hund allein gelassen werden – unabhängig von der Hunderasse oder davon, wie friedlich oder gut erzogen das Tier bislang war.

Hunde seien Tiere mit einem eigenen Kommunikations- und Verhaltensrepertoire. Schmerzen, Angst, Stress oder Überraschung könnten dazu führen, dass selbst ein bislang unauffälliger Hund Abwehrverhalten zeige. Kinder wiederum könnten aufgrund ihres Alters die Körpersprache eines Hundes häufig noch nicht richtig einschätzen oder dessen Grenzen erkennen.

Eine aufmerksame Aufsicht durch einen verantwortlichen Erwachsenen sei deshalb die wichtigste Maßnahme, um gefährliche Situationen zu verhindern.

Viele Beißvorfälle entstehen durch Missverständnisse

Nach Einschätzung des Veterinäramtes entstehen Hundebisse häufig nicht aus grundloser Aggression, sondern durch Überforderung oder Fehlkommunikation zwischen Mensch und Hund.

Besonders kritisch sind Situationen, in denen sich der Hund bedrängt oder erschreckt fühlt. Dazu gehören beispielsweise:

  • Störungen beim Schlafen oder Ruhen,
  • Annäherungen während des Fressens oder beim Kauen eines Knochens,
  • das Wegnehmen von Spielzeug,
  • Eingriffe in Rückzugsorte,
  • Umarmen oder Festhalten des Hundes,
  • Ziehen an Fell, Ohren oder Schwanz,
  • plötzliches Heranrennen oder lautes Schreien,
  • Schmerzen oder Erkrankungen des Hundes,
  • sowie sehr aufgeregte Spielsituationen.

Selbst gut erzogene Familienhunde könnten in solchen Momenten mit Abwehrverhalten reagieren.

Warnsignale werden oft nicht erkannt

Bevor ein Hund schnappt oder zubeißt, sendet er häufig deutliche Warnsignale. Dazu gehören unter anderem das Abwenden des Kopfes, Lippenlecken, Gähnen außerhalb von Müdigkeit, eine angespannte Körperhaltung, angelegte Ohren oder das Fixieren einer Person.

Auch Knurren gehört zu diesen Warnsignalen.

Das Veterinäramt weist ausdrücklich darauf hin, dass Knurren niemals bestraft werden sollte. Es sei eine wichtige Warnung des Hundes. Werden diese Signale ignoriert, könne es im nächsten Schritt zu einem Beißvorfall kommen.

Kleine Kinder besonders gefährdet

Ein besonders hohes Risiko besteht bei Säuglingen sowie Kindern im Klein- und Vorschulalter. Sie handeln häufig spontan und impulsiv und können das Verhalten eines Hundes noch nicht richtig einschätzen.

Hinzu kommt ihre geringe Körpergröße. Dadurch befinden sich Kopf und Gesicht oft auf Höhe vieler Hunde. Kommt es zu einem Biss, sind deshalb Verletzungen im Gesichts- und Halsbereich besonders häufig und oftmals schwerwiegend.

„Der macht nichts“ ist ein gefährlicher Irrtum

Immer wieder begegnen den Fachleuten dieselben Missverständnisse. Dazu gehören Aussagen wie:

  • „Unser Hund kennt das Kind.“
  • „Familienhunde beißen grundsätzlich nicht.“
  • „Der macht nichts.“
  • „Nur sogenannte Kampfhunde sind gefährlich.“
  • „Ein Hund, der mit dem Schwanz wedelt, ist immer freundlich.“

Das Veterinäramt widerspricht diesen Annahmen deutlich! Grundsätzlich könne jeder Hund in einer bestimmten Situation zubeißen. Entscheidend seien nicht allein Rasse oder Größe, sondern vielmehr die Persönlichkeit des Hundes, seine Erfahrungen, sein Gesundheitszustand und vor allem die jeweilige Situation.

Zwar könnten große Hunde aufgrund ihrer Körperkraft schwerere Verletzungen verursachen. Daraus lasse sich jedoch nicht ableiten, dass kleine Hunde grundsätzlich ungefährlicher oder große Hunde automatisch aggressiver seien.

Auch in Solingen kommt es regelmäßig zu Beißvorfällen

Nach Angaben des Bergischen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes werden auch in Solingen regelmäßig Hundebisse behördlich erfasst.

Die Zahl schwanke zwar von Jahr zu Jahr, dennoch komme es immer wieder zu schwerwiegenden Vorfällen. In solchen Fällen könne das Veterinäramt Maßnahmen wie Leinen- oder Maulkorbzwang anordnen. Betroffen seien überwiegend Erwachsene, aber auch Kinder.

Diese Regeln sollten Kinder kennen

Das Veterinäramt empfiehlt Eltern, ihren Kindern schon früh einige grundlegende Verhaltensregeln im Umgang mit Hunden zu vermitteln:

  • Fremde Hunde niemals ohne Erlaubnis des Halters anfassen.
  • Hunde beim Schlafen, Fressen oder Ruhen nicht stören.
  • Hunde nicht umarmen oder festhalten.
  • Nicht an Fell, Ohren oder Schwanz ziehen.
  • Nicht vor Hunden wegrennen oder sie erschrecken.
  • Ruhig und respektvoll mit Hunden umgehen.
  • Dem Hund jederzeit die Möglichkeit geben, sich zurückzuziehen.
  • Bei Unsicherheit immer einen Erwachsenen hinzuziehen.

Verantwortung tragen beide Seiten

Neben Eltern stehen auch Hundehalter in der Verantwortung. Eine gute Sozialisierung und Erziehung des Hundes seien wichtige Voraussetzungen für ein sicheres Zusammenleben. Eine absolute Garantie, dass ein Hund niemals zubeißt, gebe es jedoch nicht.

Der wichtigste Rat des Veterinäramtes lautet deshalb: Erwachsene sollten Begegnungen zwischen Kindern und Hunden stets aufmerksam begleiten und mögliche Gefahrensituationen frühzeitig erkennen.

Mit Wissen über das Verhalten von Hunden, gegenseitigem Respekt und einer konsequenten Aufsicht ließen sich nach Einschätzung der Experten die meisten Beißvorfälle vermeiden.

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