Solingen – Seit einem Vierteljahrhundert begleitet sie Menschen in den wohl schwersten Momenten ihres Lebens: Die Solinger Klinikpfarrerin Astrid Klumb ist für ihr 25-jähriges Dienstjubiläum geehrt worden. Im Rahmen der Sommersynode Ende Juni würdigte der Evangelische Kirchenkreis ihre langjährige Arbeit in der Krankenhausseelsorge.
Offiziell trat Astrid Klumb ihren Dienst am 1. September 2000 in der damaligen St. Lukas Klinik an. Eine ursprünglich für die Herbstsynode 2025 vorgesehene Ehrung musste verschoben werden, sodass die Auszeichnung nun nachgeholt wurde. Tatsächlich blickt die Pfarrerin inzwischen bereits auf fast 26 Jahre seelsorgerische Arbeit in Solingen zurück.
Eine Begegnung, die bis heute nachwirkt
Besonders eindrücklich erinnert sich Astrid Klumb an einen Einsatz aus ihren ersten Monaten in der Klinik. Am ersten Weihnachtstag hatte sie gerade ihre Familie aus dem Hunsrück zu Besuch, als sie ein Anruf aus der St. Lukas Klinik erreichte: Eine junge Mutter hatte kurz zuvor ihr Kind tot zur Welt gebracht.
Ohne zu zögern verabschiedete sich die Pfarrerin von ihren Angehörigen und fuhr ins Krankenhaus. Dort verbrachte sie die Stunden mit den verzweifelten Eltern, segnete das verstorbene Kind und stand der Familie in ihrer Trauer bei.
Seit diesem Tag habe das Telefon unzählige Male geklingelt. Immer wieder saß sie an Krankenbetten, begleitete Menschen in Krisen, spendete Trost und hörte zu. Rückblickend sagt sie: „Ich habe in all den Jahren nie bereut, dass ich mich für die Seelsorge entschieden habe.“ Gerade das Krankenhaus sei der Ort, an dem sie ihre Berufung gefunden habe. „Ich mag es sehr, mit Menschen in die Tiefe zu gehen.“
Trost in der Corona-Pandemie
Bis Ende 2023 war Astrid Klumb verantwortliche evangelische Seelsorgerin an der St. Lukas Klinik. Besonders prägend seien für sie die Jahre der Corona-Pandemie gewesen.
Während Angehörige ihre Liebsten oft nicht besuchen durften, entwickelte sie gemeinsam mit der Musikerin Uta Heidemann ein besonderes Angebot: Mehrmals wöchentlich gingen beide über die Stationen und schenkten den Patienten Musik, Gespräche und ermutigende Worte.
„So viele Herzen öffneten sich: Da war wirklich Trost möglich“, erinnert sich Klumb. Für dieses außergewöhnliche Engagement wurden sie und ihre Mitstreiterinnen im Jahr 2021 mit dem Sozialpreis des Katholischen Krankenhausverbands Deutschland ausgezeichnet.
Begleitung auch beim Abschied von St. Lukas
Als Ende 2023 die Schließung der St. Lukas Klinik bevorstand, war Astrid Klumb bis zuletzt eine wichtige Ansprechpartnerin für viele Mitarbeitende, die sich um ihre berufliche Zukunft sorgten.
Anschließend wechselte sie vollständig an das Städtische Klinikum Solingen an der Gotenstraße, wo sie bereits zuvor mit einem Teil ihrer Arbeitszeit tätig gewesen war. Gemeinsam mit ihren evangelischen Kolleginnen begleitet sie dort heute Patienten, Angehörige und Mitarbeitende gleichermaßen.
„Wir sind Seelsorgende für das Haus“, beschreibt sie ihre Aufgabe.
Zuhören statt bewerten
In ihrer täglichen Arbeit begegnet Astrid Klumb Menschen oft in existenziellen Lebenssituationen – bei Krankheit, Trauer, Angst oder Abschied. Dabei gehe es nicht darum, schnelle Antworten oder fertige Lösungen zu liefern.
„Das Wichtigste ist, nicht zu werten“, beschreibt die ausgebildete Theologin, Gestaltpädagogin und Supervisorin ihre Haltung. Vielmehr gehe es darum, gemeinsam auszuhalten und Menschen in schweren Zeiten nicht allein zu lassen.
Damit sie selbst diese emotional belastende Aufgabe dauerhaft bewältigen kann, setzt sie auf feste Rituale und regelmäßige Supervision. „Die brauche ich, um immer wieder neu offen zu sein für die Begleitung der Menschen, die ein schweres Schicksal zu tragen haben.“
Würdigung für einen besonderen Dienst
Bei der Ehrung im Rahmen der Sommersynode fand Pfarrer Thomas Förster, stellvertretender Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises, bewegende Worte für die Jubilarin.
„Du bist Trösterin, wo Hoffnung zu Ende geht. Du bist Gott- und Weltdeuterin, wo existentielle Fragen nach einer Antwort verlangen. Du bist Schweigerin, wenn die Situation Zuhören und Aushalten erfordert und keine Worte. Das alles machst du stellvertretend auch für uns.“
Mit ihrer Arbeit steht Astrid Klumb seit nunmehr einem Vierteljahrhundert Menschen in Solinger Krankenhäusern zur Seite – oft leise, meist im Hintergrund, aber für viele Betroffene genau in den Momenten, in denen sie am dringendsten gebraucht wird.










