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Vor den Zeugnissen: Solinger Lehrergewerkschaft appelliert an Eltern – „Kinder sind mehr als ihre Noten“

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Solingen – Mit der Zeugnisausgabe vor den Sommerferien richtet sich der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Solingen mit einem Appell an die Eltern in der Klingenstadt. Die Gewerkschaft wirbt dafür, den Zeugnistag ohne übermäßigen Druck anzugehen und Kinder nicht ausschließlich an ihren Schulnoten zu messen.

„Liebe Eltern, gehen Sie das Thema Zeugnisse mit Ruhe, Augenmaß und dem nötigen Vertrauen in Ihre Kinder an. Noten sind zwar eine wichtige Rückmeldung, dürfen aber niemals zum alleinigen Maßstab für den Wert eines jungen Menschen werden“, heißt es in der Mitteilung des VBE.

Zeugnisse als Momentaufnahme verstehen

Nach Ansicht des VBE geben Zeugnisse zwar wichtige Hinweise auf den aktuellen Leistungsstand, sie spiegelten jedoch nicht die Persönlichkeit oder den Wert eines Kindes wider.

Der Vorsitzende des VBE Solingen, Jens Merten, erklärt: „Zeugnisse sind eine Momentaufnahme. Sie zeigen uns, wo das Kind aktuell in Relation zu den Anforderungen steht. Bei ausformulierten Zeugnissen, erkennt man zudem, wo sie im neuen Schuljahr gezielt unterstützen werden können. Über den eigentlichen Wert oder die Persönlichkeit eines Kindes sagen insbesondere pure Noten jedoch rein gar nichts aus.“

Erfolge würdigen statt nur auf Schwächen schauen

Der Verband empfiehlt Eltern, den Fokus am Zeugnistag nicht allein auf schlechtere Noten oder Defizite zu legen. Stattdessen solle gemeinsam mit dem Kind besprochen werden, wie die Ergebnisse zustande gekommen sind. Ebenso wichtig sei es, positive Entwicklungen und Erfolge bewusst wahrzunehmen und auch zu feiern.

Zeigen sich größere Wissenslücken, rät der VBE dazu, nach den Sommerferien in Ruhe das Gespräch mit den Lehrkräften zu suchen und gemeinsam zu überlegen, welche Unterstützung sinnvoll ist.

Lernen in den Ferien nur ohne Druck

Auch für die Ferien spricht sich die Lehrergewerkschaft für Augenmaß aus. Lernen könne sinnvoll sein – allerdings nur dosiert und ohne Zwang.

Jens Merten warnt: „Lernen in den Ferien ist nur dann sinnvoll, wenn es gut dosiert und ohne Druck abläuft – es sollte niemals als Strafe verstanden werden. Wer versucht, in den sechs Wochen den Stoff eines ganzen Jahres nachzuholen, erzeugt nur Frust. Insbesondere in den unteren Klassenstufen ist es wesentlich besser, den Ferienbeginn zur reinen Erholung zu nutzen und erst im letzten Drittel spielerisch und alltagsnah wieder einzusteigen – etwa durch gemeinsames Lesen oder kleine Alltagsrechenspiele.“

Gleichzeitig betont der Verband, dass es durchaus sinnvoll sein könne, einzelne Schwächen gezielt aufzuarbeiten, damit Kinder gut vorbereitet ins neue Schuljahr starten können.

Sommerferien sollen echte Erholung bringen

Nach Auffassung des VBE brauchen Schülerinnen und Schüler nach einem langen und oft belastenden Schuljahr vor allem Zeit zur Erholung. Leistungsdruck in der Schule solle nicht durch ständigen Freizeitstress oder zusätzlichen Lerndruck in den Ferien ersetzt werden.

Jens Merten macht deutlich: „Ferien sind kein Luxus, sondern eine notwendige Regeneration, damit Lernen danach überhaupt wieder gelingen kann. Nur wer jetzt wirklich abschaltet, hat im neuen Schuljahr auch wieder Motivation, Energie und die Konzentration für den Unterricht. Unsere Kinder brauchen in den Ferien keinen neuen Stundenplan, sondern echten Freiraum. Sie müssen spüren: Ich werde unterstützt – aber ich bin so viel mehr als meine Noten.“

Der VBE Solingen weist zudem darauf hin, dass hoher Leistungsdruck nicht nur Kinder belastet, sondern häufig auch Auswirkungen auf das Familienleben habe. Ein gelassener Umgang mit Zeugnissen könne deshalb dazu beitragen, den Familienfrieden zu bewahren und Kindern einen entspannten Start in die Sommerferien zu ermöglichen.

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