Von Lars Schulz
Die Digitalisierung der Verwaltung ist grundsätzlich eine gute Entwicklung. Viele Behördengänge lassen sich heute bequem von zu Hause erledigen. Termine können online gebucht, Formulare digital ausgefüllt und Anträge elektronisch eingereicht werden. Auch die Stadt Solingen baut ihre digitalen Dienstleistungen seit Jahren kontinuierlich aus. Das spart Zeit und macht vieles einfacher – zumindest für diejenigen, die sich in der digitalen Welt sicher bewegen.
Doch bei aller Euphorie über den technischen Fortschritt stellt sich eine entscheidende Frage: Was ist mit den Menschen, die diesen Weg nicht mitgehen können?
Solingen wird älter. Immer mehr Seniorinnen und Senioren leben selbstständig, möchten ihre Angelegenheiten eigenständig regeln und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Viele von ihnen verfügen jedoch nicht über die technischen Voraussetzungen oder das nötige Wissen, um digitale Angebote problemlos zu nutzen. Manche besitzen keinen Computer, andere kein Smartphone. Wieder andere fühlen sich mit Online-Portalen schlicht überfordert.
Das ist kein Vorwurf. Es ist Realität.
Digitalisierung darf niemanden ausschließen
Natürlich soll die Verwaltung digitaler werden. Das ist zeitgemäß und angesichts des Fachkräftemangels vielerorts auch notwendig. Aber Digitalisierung darf niemals bedeuten, dass der persönliche Kontakt nach und nach verschwindet.
Wer heute einen Bewohnerparkausweis beantragen, einen Termin im Bürgerbüro vereinbaren, Fragen zur Hundesteuer klären oder Unterstützung bei einem Formular benötigt, landet häufig zunächst auf einer Internetseite. Wer sich dort nicht zurechtfindet, fühlt sich schnell alleingelassen.

Nicht jeder hat Kinder oder Enkel, die helfen können. Nicht jeder kann sich von Nachbarn unterstützen lassen. Und nicht jeder möchte persönliche Angelegenheiten überhaupt an Dritte weitergeben.
Gerade ältere Menschen wünschen sich oft etwas ganz Einfaches: einen Ansprechpartner aus Fleisch und Blut.
Jemanden, der zuhört, erklärt und hilft.
Ein Senioren-Servicebüro wäre ein starkes Signal
Warum also nicht im Solinger Rathaus ein „Senioren-Servicebüro“ einrichten?
Eine zentrale Anlaufstelle für ältere Bürger, in der sämtliche Anliegen rund um die Stadtverwaltung persönlich erledigt werden können – unabhängig davon, welches Amt eigentlich zuständig ist.
Statt verschiedene Fachbereiche aufsuchen oder sich durch Internetseiten klicken zu müssen, gäbe es einen Ort, an dem geholfen wird.
Ob Ausweisangelegenheiten, Meldewesen, Wohngeld, Grundsteuer, Hundesteuer, Anträge oder allgemeine Fragen zur Stadtverwaltung – dort könnten erfahrene Mitarbeiter die Anliegen aufnehmen und gemeinsam mit den Bürgern lösen.
Alles aus einer Hand.
Service bedeutet auch Zeit
Ein solches Büro sollte ausreichend personell besetzt sein. Barrierefrei erreichbar. Mit kundenfreundlichen Öffnungszeiten – idealerweise montags bis samstags.
Vor allem aber braucht es Mitarbeiter, die für den Umgang mit älteren Menschen besonders geschult sind.
Geduld ist dort kein Luxus.
Sie ist Teil eines guten Bürgerservices.
Denn wer schlecht hört, langsamer spricht oder einen Antrag nicht auf Anhieb versteht, braucht keine genervten Blicke, sondern Verständnis.
Genau das zeichnet eine bürgernahe Verwaltung aus.
Eine Investition in Respekt
Ein „Senioren-Servicebüro“ würde sicherlich Geld kosten. Doch es wäre weit mehr als eine zusätzliche Anlaufstelle.
Es wäre ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung gegenüber einer Generation, die Jahrzehnte lang gearbeitet, Steuern gezahlt und unsere Stadt mit aufgebaut hat.
Gerade diese Menschen sollten nicht das Gefühl bekommen, dass sie im digitalen Zeitalter den Anschluss verlieren.
Fortschritt braucht Menschlichkeit
Die Digitalisierung der Verwaltung wird weiter voranschreiten – und das ist auch richtig so. Online-Angebote erleichtern vielen Bürgern den Alltag und entlasten die Verwaltung.
Doch moderner Bürgerservice bedeutet nicht, möglichst viele Schalter abzubauen.
Moderner Bürgerservice bedeutet, digitale Möglichkeiten zu schaffen, ohne den persönlichen Kontakt aufzugeben.
Vielleicht wäre Solingen gut beraten, hier einen neuen Weg zu gehen und Vorreiter zu werden. Ein Senioren-Servicebüro könnte zeigen, dass Digitalisierung und Menschlichkeit kein Widerspruch sind.
Denn am Ende entscheidet nicht die Zahl der Online-Formulare darüber, wie bürgernah eine Stadt ist.
Sondern die Frage, ob jeder Mensch die Hilfe bekommt, die er braucht – unabhängig von seinem Alter oder seinen digitalen Fähigkeiten.










