BlaulichtTrotz Kritik: Stadt verteidigt Warnkonzept nach Großbrand am Werwolf – Viele Fragen...

Trotz Kritik: Stadt verteidigt Warnkonzept nach Großbrand am Werwolf – Viele Fragen bleiben weiterhin offen

- Anzeige - spot_img

Solingen – Nach dem Großbrand eines leerstehenden Gebäudes am Werwolf hat die Stadt Solingen auf weitere Fragen zur Warnung der Bevölkerung geantwortet. Während beim Einsatz eine Warnung über die Warn-App NINA und lokale Radiosender erfolgte, blieben Sirenen und Cell Broadcast erneut ungenutzt. Die Feuerwehr hält dieses Vorgehen auch rückblickend für richtig – konkrete Kriterien, wann Sirenen tatsächlich ausgelöst werden, nennt sie jedoch weiterhin nicht.

Rückblick: Große Rauchwolke über Solingen

Beim Brand eines leerstehenden Gebäudes am Werwolf war eine weithin sichtbare Rauchwolke über Teilen Solingens zu sehen. Die Feuerwehr hatte die Bevölkerung aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Gleichzeitig mussten Polizeikräfte auf Anweisung der Feuerwehr zahlreiche Schaulustige aus Bereichen außerhalb der eigentlichen Einsatzstelle zurückweisen.

Gerade diese Lage hatte nach dem Einsatz viele Fragen aufgeworfen. Zahlreiche Leser berichteten der Redaktion, dass sie von der Warnung überhaupt nichts mitbekommen hätten. Wer die NINA-App nicht installiert hatte und in diesem Moment kein Lokalradio hörte, erhielt keinerlei Hinweis auf die Rauchentwicklung.

Feuerwehr verweist auf „Warnmittelmix“

Auf Nachfrage erklärt die Feuerwehr nun, die Warnung sei nicht ausschließlich über NINA erfolgt. Zusätzlich seien die lokalen Radiosender informiert worden. Grundlage sei der sogenannte „Warnmittelmix“, bei dem je nach Lage unterschiedliche Warnsysteme eingesetzt würden.

Ob Sirenen oder Cell Broadcast aktiviert werden, werde nicht schematisch entschieden. Vielmehr erfolge eine Bewertung der konkreten Gefahrenlage.

Nach Angaben der Feuerwehr wurde während des Einsatzes ausdrücklich geprüft, ob weitere Warnmittel erforderlich seien. Gemeinsam zwischen Einsatzleitung und Leitstelle sei entschieden worden, darauf zu verzichten.

Wann werden Sirenen überhaupt ausgelöst?

Genau an dieser Stelle bleiben die Antworten allerdings auffallend vage.

Auf die Frage, welche konkreten Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit in Solingen Sirenen ausgelöst werden, verweist die Feuerwehr lediglich darauf, dass jede Lage individuell bewertet werde. Eine pauschale Antwort sei nicht möglich.

Auch auf die Nachfrage, unter welchen Einsatzlagen das Sirenenwarnsystem überhaupt aktiviert werde, wenn selbst bei einem Großbrand mit massiver Rauchentwicklung darauf verzichtet werde, verweist die Feuerwehr lediglich auf ihre allgemeinen Ausführungen zum Warnmittelmix.

Konkrete Beispiele oder nachvollziehbare Entscheidungskriterien nennt die Stadt nicht.

Cell Broadcast erneut nicht genutzt

Auch der bundesweit eingeführte Cell Broadcast kam beim Werwolf-Brand nicht zum Einsatz.

Dabei erreicht dieses Warnsystem nahezu alle eingeschalteten Mobiltelefone im betroffenen Gebiet – unabhängig davon, ob eine Warn-App installiert ist oder nicht. Gerade dieser Vorteil war nach den Flutkatastrophen 2021 ein wesentlicher Grund für die Einführung des Systems.

Warum darauf verzichtet wurde, beantwortet die Feuerwehr letztlich ebenfalls nur allgemein: Die verfügbaren Warnmittel würden sich hinsichtlich Funktion, Reichweite und Informationsmöglichkeiten unterscheiden und deshalb lageabhängig ausgewählt.

Rückblickend sieht die Feuerwehr keinen Fehler

Die Feuerwehr bewertet ihre Entscheidung auch im Nachhinein als richtig.

Begründet wird dies mit dem schnellen Eingreifen der Einsatzkräfte, dem Umstand, dass kein Gefahrstoff ausgetreten sei, sowie dem raschen Erfolg der Löschmaßnahmen.

Aus Sicht der Feuerwehr sei die Warnung der Bevölkerung daher ausreichend gewesen.

Offene Fragen bleiben bestehen

Die Antworten werfen allerdings neue Fragen auf.

Wenn bei einem Großbrand mit kilometerweit sichtbarer Rauchentwicklung, einer offiziellen Aufforderung zum Schließen von Fenstern und Türen sowie Polizeieinsätzen gegen Schaulustige außerhalb des eigentlichen Gefahrenbereichs weder Sirenen noch Cell Broadcast eingesetzt werden – unter welchen Umständen sollen diese Warnmittel dann überhaupt zum Einsatz kommen?

Genau diese Frage beantwortet die Stadt weiterhin nicht konkret.

Für viele Bürger dürfte deshalb unklar bleiben, wann sie im Ernstfall tatsächlich mit einem Sirenenalarm oder einer Warnmeldung auf ihrem Mobiltelefon rechnen können. Gerade weil Warn-Apps wie NINA längst nicht auf allen Smartphones installiert sind und lokale Radiosender heute von vielen Menschen nicht dauerhaft gehört werden, bleibt die Diskussion über die Wirksamkeit des Solinger Warnkonzeptes auch nach der Stellungnahme der Feuerwehr bestehen.

- Anzeige - spot_img