StadtteileKOMMENTAR: Wald braucht keine neuen Zeitfenster – Wald braucht eine klare Lösung!

KOMMENTAR: Wald braucht keine neuen Zeitfenster – Wald braucht eine klare Lösung!

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Von Lars Schulz

Die Verkehrssituation in der Walder Fußgängerzone sorgt seit langer Zeit für Ärger. Anwohner beklagen unerlaubten Durchgangsverkehr, falsch abgestellte Fahrzeuge und Autos, die dort eigentlich überhaupt nichts zu suchen haben.

Nun werden die Regeln für den Lieferverkehr geändert. Grundlage dafür ist ein politischer Beschluss der Bezirksvertretung Wald, den die Stadtverwaltung entsprechend umsetzt.

Doch genau hier liegt aus meiner Sicht das Problem: Die von der Bezirksvertretung beschlossene Verkehrsregelung geht in die falsche Richtung.

Denn der Lieferverkehr ist nicht das eigentliche Problem in Wald.

Das Problem sind diejenigen, die sich schon heute nicht an die Regeln halten

Die Probleme sind an mehreren Stellen längst offensichtlich: Fahrzeuge fahren unerlaubt durch den Bereich am Eiscafé, Autofahrer stellen ihre Wagen im Umfeld der Kirche ab und erledigen anschließend ihre Einkäufe im naheliegenden Drogeriemarkt oder in anderen Geschäften.

Im sogenannten „Walder Schlauch“ zeigt sich das Problem besonders in den Abend- und Nachtstunden. Nach Angaben von Anwohnern stehen dort regelmäßig zahlreiche Fahrzeuge, obwohl das Parken dort nicht erlaubt ist. Von teilweise acht bis zwölf Fahrzeugen pro Nacht ist die Rede.

Selbst gekennzeichnete Rettungswege werden rücksichtslos zugeparkt

Und damit nicht genug: Auch gegenüber des Kreuzungsbereiches Friedrich-Ebert-Straße/Altenhofer Straße sind fast täglich rechtswidrig abgestellte Fahrzeuge festzustellen. Autos stehen dort auf Gehwegen und insbesondere in der schmalen Zuwegung zur Fußgängerzone, die ausdrücklich als Rettungsweg gekennzeichnet ist.

Spätestens an dieser Stelle geht es nicht mehr nur um ein Ärgernis oder um die Frage, ob eine Fußgängerzone ihrem Namen gerecht wird. Ein Rettungsweg muss im Ernstfall frei sein. Feuerwehr und Rettungsdienst dürfen nicht erst vor einem falsch abgestellten Fahrzeug stehen und wertvolle Zeit verlieren.

Was soll eine Einschränkung der Lieferzeiten an all diesen Problemen ändern?

Nichts.

Wer heute unerlaubt in die Fußgängerzone fährt, auf Gehwegen parkt, einen Rettungsweg zustellt oder sein Auto nachts im Walder Schlauch abstellt, wird sich kaum deshalb anders verhalten, weil für den regulären Lieferverkehr andere Zeiten gelten.

Das eigentliche Problem ist vielmehr die Durchsetzung der bereits bestehenden Regeln.

Kontrollen müssen dort stattfinden, wo die Verstöße passieren

Wenn Fahrzeuge tagsüber unerlaubt im Bereich der Kirche stehen, muss dort regelmäßig kontrolliert werden. Wenn im Walder Schlauch abends, nachts oder am frühen Morgen regelmäßig unerlaubt geparkt wird, müssen Kontrollen auch zu diesen Zeiten stattfinden.

Und wenn Gehwege oder sogar ein gekennzeichneter Rettungsweg im Bereich Friedrich-Ebert-Straße/Altenhofer Straße regelmäßig zugeparkt werden, muss auch dort konsequent eingeschritten werden und auch der Abschleppwagen rollen.

Dabei reicht es nicht, Kontrollen ausschließlich zu den üblichen Zeiten durchzuführen. Wer ein Problem lösen will, muss dann kontrollieren, wenn das Problem tatsächlich auftritt.

Verkehrsregeln funktionieren schließlich nur dann, wenn ihre Einhaltung auch überprüft und Verstöße entsprechend geahndet werden.

Gleichzeitig sollte man sich aber die Frage stellen, warum die Stadt dauerhaft Personal einsetzen soll, um Autofahrer daran zu hindern, in Bereiche hineinzufahren, die baulich vergleichsweise einfach geschützt werden könnten.

Und damit kommen wir zu einer Lösung, die aus meiner Sicht wesentlich zielführender wäre.

Automatische Poller statt immer neuer Regelungen

Warum wird die Walder Fußgängerzone nicht mit einer automatisierten Polleranlage ausgestattet?

Das Prinzip ist denkbar einfach: Während der festgelegten Andienungszeiten werden die Poller automatisch abgesenkt. Lieferanten und andere Berechtigte können die Fußgängerzone befahren. Außerhalb dieser Zeiten fahren die Poller wieder hoch – und die Fußgängerzone ist tatsächlich eine Fußgängerzone.

Für notwendige Zufahrten könnten entsprechende Berechtigungen beziehungsweise technische Zugangsmöglichkeiten geschaffen werden. Feuerwehr, Rettungsdienst und andere Einsatzkräfte müssen selbstverständlich jederzeit passieren können.

Eine technische Lösung schafft hier etwas, was Verkehrsschilder offenbar seit Jahren nicht schaffen: eine eindeutige Grenze.

Poller könnten gleichzeitig Veranstaltungen schützen

Eine automatisierte Polleranlage hätte darüber hinaus einen zweiten, möglicherweise noch wichtigeren Vorteil.

Solche Systeme gibt es in unterschiedlichen Sicherheits- und Widerstandsklassen. Entscheidet man sich bei der Planung für entsprechend zertifizierte Hochsicherheitssysteme, können Zufahrtssperren nicht nur den alltäglichen Autoverkehr regulieren, sondern – abhängig von Ausführung, Planung und Einbausituation – auch Bestandteil eines Sicherheitskonzeptes gegen das unbefugte Einfahren mit Fahrzeugen bei Veranstaltungen sein.

Und gerade dieser Punkt sollte in Wald eine wichtige Rolle spielen.

In der Walder Innenstadt finden regelmäßig Veranstaltungen statt: Volksfeste, die Walder Theatertage und weitere Feste locken zahlreiche Besucher in die Fußgängerzone. Wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, gehört der Schutz vor Fahrzeugen heute zwangsläufig zu einer verantwortungsvollen Veranstaltungsplanung.

Statt bei Veranstaltungen immer wieder mobile Sperren aufzustellen und Zufahrten temporär mit Fahrzeugen abzusichern, könnte eine fest installierte Hochsicherheitsanlage dauerhaft zur Verfügung stehen und in die jeweiligen Sicherheitskonzepte einbezogen werden.

Natürlich kostet eine solche Lösung mehr als ein einfacher Poller.

Aber Sicherheit darf nicht daran scheitern, dass die bessere Lösung zunächst teurer ist.

Wenn ohnehin Geld in eine dauerhafte Verkehrsberuhigung investiert werden soll, wäre es kurzsichtig, ausschließlich die günstigste Variante zu betrachten. Verkehrssicherheit, die Freihaltung von Rettungswegen und der Schutz von Besuchern bei Großveranstaltungen sollten gemeinsam gedacht werden.

Politik und Verwaltung sollten die Pollerlösung ernsthaft prüfen

Eine automatisierte Polleranlage würde gleich mehrere Probleme auf einmal angehen: Sie könnte unerlaubten Durchgangsverkehr verhindern, die Einhaltung der Zufahrtszeiten tatsächlich gewährleisten, die Aufenthaltsqualität der Fußgängerzone verbessern und – bei entsprechender technischer Ausführung – zusätzlich einen wichtigen Beitrag zu Sicherheitskonzepten bei Veranstaltungen leisten.

Sie ersetzt allerdings nicht die notwendigen Kontrollen gegen Falschparker. Ein Poller verhindert schließlich nicht, dass anderswo Gehwege oder Rettungswege zugestellt werden. Hier bleibt das Ordnungsamt gefragt.

Genau deshalb braucht Wald aus meiner Sicht beides: konsequente Kontrollen an den bekannten Problemstellen und eine technische Lösung gegen den unerlaubten Fahrzeugverkehr in der Fußgängerzone.

Die Einschränkung der Lieferzeiten trifft dagegen ausgerechnet diejenigen, die die Fußgängerzone legal befahren dürfen, während diejenigen, die sich bereits heute über bestehende Verbote hinwegsetzen, damit kaum erreicht werden.

Wald braucht nicht noch mehr Regeln auf dem Papier. Wald braucht eine Regelung, die in der Praxis funktioniert.

Eine automatisierte Polleranlage wäre deshalb aus meiner Sicht die Lösung, die Politik und Verwaltung gemeinsam ernsthaft prüfen sollten. Und dort, wo Fahrzeuge Gehwege und sogar Rettungswege blockieren, braucht es keine neuen Regeln – sondern die konsequente Durchsetzung der bereits bestehenden.

Lars Schulz
Chefredakteur Solinger Nachrichten

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