SolingenNach weiteren Todesfällen an der Müngstener Brücke: Minigolfplatz-Betreiber Stefan Böhm fordert endlich...

Nach weiteren Todesfällen an der Müngstener Brücke: Minigolfplatz-Betreiber Stefan Böhm fordert endlich Konsequenzen der Behörden

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Solingen/Remscheid – Mit einem eindringlichen offenen Brief hat sich Stefan Böhm an die Oberbürgermeister von Solingen und Remscheid sowie an die Deutsche Bahn gewandt. Der Betreiber des Minigolfplatzes und des Kioskes unmittelbar unterhalb der Brücke fordert nach weiteren Todesfällen zusätzliche Sicherungsmaßnahmen an der Müngstener Brücke. Die vorhandene Lichtschrankenanlage reicht aus seiner Sicht nicht aus.

Böhm ist täglich vor Ort. Er erlebt nicht nur den normalen Betrieb mit Ausflüglern, Familien und Spaziergängern, sondern wird auch selbst immer wieder auch mit den Folgen der tragischen Ereignisse an der Müngstener Brücke konfrontiert.

Am gestrigen Sonntagmorgen, 9. August, hat er nach eigenen Angaben selbst den Leichnam eines Menschen unterhalb der Brücke aufgefunden. Noch am Sonntagaben soll sich dann erneut ein Mensch von der Brücke gestürzt haben. Ein weiteren tödlicher Vorfall soll sich laut Böhm am 28. Juli ereignet haben.

Insgesamt seien seit Inbetriebnahme der Lichtschrankenanlage mindestens vier Menschen von der Brücke gesprungen, schreibt Böhm in seinem offenen Brief.

Die Redaktion hat sowohl die Deutsche Bahn als auch die Städte Solingen und Remscheid um Stellungnahmen zu der aktuellen Situation gebeten.

Lichtschranken sollen unbefugtes Betreten erkennen

Eine zentrale Rolle in der Diskussion spielt die Lichtschrankenanlage der Deutschen Bahn. Sie soll erkennen, wenn Personen in Bereiche der Brücke gelangen, die nicht betreten werden dürfen. Wird eine Lichtschranke unterbrochen, kann eine Alarmierung erfolgen, damit auf den unbefugten Zutritt reagiert werden kann.

Die Technik soll die Leitstelle der Bundespolizei frühzeitig auf Personen in gefährdeten Bereichen aufmerksam machen. Eine bauliche Barriere, die den Zugang selbst verhindert, ist sie jedoch nicht.

Nach Angaben Böhms hat es seit Inbetriebnahme der Lichtschranken weitere Todesfälle gegeben. Für ihn steht deshalb fest, dass über zusätzliche Maßnahmen gesprochen werden muss.

„Die Realität vor Ort zeigt jedoch ein erschütterndes Bild: Die Maßnahme verfehlt ihre Wirkung“, schreibt er.

Sorge gilt auch den Besuchern im Brückenpark

In seinem Brief geht Böhm noch einen Schritt weiter. Ihm geht es nicht allein um Menschen, die sich in einer seelischen Notlage auf die Brücke begeben. Er warnt auch vor den Folgen für diejenigen, die sich im Brückenpark aufhalten.

Der Bereich unterhalb der Müngstener Brücke ist ein beliebtes Ausflugsziel. Familien mit Kindern, Spaziergänger, Senioren und Touristen sind dort unterwegs. Hinzu kommen der Minigolfplatz und der Kiosk, die Böhm betreibt.

Menschen könnten dort unmittelbar Zeugen eines Sprungs werden oder mit dessen Folgen konfrontiert werden. Böhm sieht darüber hinaus die Gefahr, dass bei einem solchen Ereignis irgendwann auch Unbeteiligte unterhalb der Brücke körperlich zu Schaden kommen könnten.

Besonders beschäftigt ihn dabei das Geschehen vom vergangenen Sonntag. Nur wenige Stunden nachdem er nach eigenen Angaben einen Leichnam unterhalb der Brücke gefunden hatte, hätten Besucher genau an dieser Stelle wieder ihre Picknickdecken ausgebreitet.

Böhm fordert deshalb eine öffentliche Diskussion über weitere Schutzmaßnahmen – sowohl an der Brücke selbst als auch mit Blick auf die Menschen darunter.

Die Solinger Nachrichten veröffentlichen seinen offenen Brief nachfolgend im Original-Wortlaut:


Offener Brief von Stefan Böhm im Original

Offener Brief an die Oberbürgermeister der Städte Solingen und Remscheid

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister der Stadt Solingen, Daniel Flemm,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister der Stadt Remscheid, Sven Wolf.
Sowie an die Verantwortlichen der Deutschen Bahn AG.

Betreff: Dringender Handlungsbedarf bei der Suizidprävention an der Müngstener Brücke – Schutz von Menschenleben, Besuchern und Augenzeugen

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Flemm,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Wolf,

ich wende mich mit diesem offenen Brief an Sie, weil die Situation an der Müngstener Brücke ein Ausmaß erreicht hat, das ein unmittelbares und entschlossenes Handeln der Städte Solingen und Remscheid sowie der Deutschen Bahn erfordert.

Laut Angaben der Bahn ist die installierte Lichtschrankenanlage in Betrieb und funktionsfähig. Die Realität vor Ort zeigt jedoch ein erschütterndes Bild: Die Maßnahme verfehlt ihre Wirkung. Seit der Inbetriebnahme verzeichnen wir weiterhin tödliche Vorfälle:

Sonntag, 09.08.2026: Am frühen Morgen musste ich persönlich den Leichnam einer Person unter der Brücke auffinden. Am selben Abend sprang eine weitere Person.

Dienstag, 28.07.2026: Ein weiterer tödlicher Sprung von der Brücke.

Insgesamt sind seit der Inbetriebnahme der Anlage mindestens vier Menschen von der Brücke gesprungen. Die bisherige Technik bietet offensichtlich keinen ausreichenden Schutz.

Die unermessliche Belastung für Augenzeugen und Besucher.

Neben dem tragischen Verlust von Menschenleben gibt es eine weitere Dimension, die nicht länger ignoriert werden darf: das schwere Trauma der Augenzeugen.

Der Brückenpark ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien, Spaziergänger und Senioren. Immer wieder müssen Menschen – darunter kleine Kinder, Familien und ältere Personen – hautnah mitansehen, wie sich ein Mensch von der Brücke stürzt, oder sie werden direkt mit den Folgen konfrontiert.

Wer so etwas miterleben muss, trägt nicht selten ein Leben lang schwerste psychische Narben und Traumata davon.

Zudem besteht eine direkte physische Gefahr: Nur wenige Stunden nach dem Fund des Leichnams am 09.08. breiteten ahnungslose Besucher an genau derselben Stelle ihre Picknickdecken aus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis durch herabstürzende Personen Unbeteiligte am Boden direkt körperlich zu Schaden kommen.

Vor dem Hintergrund von Kürzungen im psychotherapeutischen Bereich durch aktuelle Reformen im Gesundheitswesen ist zudem zu befürchten, dass sich die Lage für psychisch kranke Menschen weiter zuzuspitzen droht, somit dürften die Suizidzahlen steigen.

Meine Fragen und Forderungen an Sie:

Welchen konkreten Plan haben die Städte Solingen und Remscheid gemeinsam mit der Deutschen Bahn, um die Müngstener Brücke endlich effektiv baulich abzusichern?

Wie soll sichergestellt werden, dass der Parkbereich unter der Brücke für Besucher, Familien und Passanten vor physischen Gefahren und traumatischen Erlebnissen geschützt wird?

Welche Sofortmaßnahmen werden ergriffen, da die bisherige Lichtschrankenanlage nachweislich keine Schutzwirkung entfaltet?

Wir dürfen hier nicht länger wegsehen.

Es geht um den Schutz von Menschen in seelischen Notlagen – aber genauso um den Schutz der Bevölkerung, der Kinder und der Besucher, die im Brückenpark Sicherheit erwarten dürfen.

Ich bitte Sie eindringlich um eine öffentliche Stellungnahme und das Aufzeigen konkreter Lösungswege.

Mit freundlichen Grüßen ein besorgter
Stefan Böhm

– Ende des Offenen Briefes


Reicht die bisherige Absicherung aus?

Der offene Brief rückt die Frage nach der Wirksamkeit der bisherigen Sicherungsmaßnahmen erneut in den Mittelpunkt.

Die Lichtschranken können einen unerlaubten Zugang erkennen und melden. Sie verhindern jedoch nicht selbst, dass Menschen in einen gefährlichen Bereich gelangen. Nach den von Böhm geschilderten Ereignissen stellt sich deshalb die Frage, ob das bisherige Konzept ausreicht oder ob zusätzliche bauliche Maßnahmen notwendig und technisch möglich sind.

Dabei dürfte auch eine Rolle spielen, welche Möglichkeiten an der denkmalgeschützten Müngstener Brücke überhaupt umgesetzt werden können.

Neben der Situation auf der Brücke selbst geht es auch um den Bereich darunter. Gerade an Wochenenden und bei gutem Wetter halten sich zahlreiche Menschen im Brückenpark auf. Böhm fordert deshalb, bei weiteren Überlegungen auch den Schutz der Besucher stärker zu berücksichtigen.

Solinger Nachrichten haben Stellungnahmen angefordert

Die Solinger Nachrichten haben die Deutsche Bahn mit den Schilderungen und Forderungen aus dem Offenen Brief konfrontiert und um eine Stellungnahme zur derzeitigen Sicherung der Müngstener Brücke sowie zu möglichen weiteren Maßnahmen gebeten.

Auch Solingens Oberbürgermeister Daniel Flemm und Remscheids Oberbürgermeister Sven Wolf wurden über ihre jeweiligen Pressestellen um Stellungnahmen gebeten. Dabei geht es insbesondere um die Bewertung der aktuellen Situation und die Frage, ob die beiden Städte gemeinsam mit der Deutschen Bahn weiteren Handlungsbedarf sehen.

Die Antworten stehen derzeit noch aus.

Sobald Stellungnahmen der Deutschen Bahn sowie der Städte Solingen und Remscheid vorliegen, werden die Solinger Nachrichten weiter berichten.

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