Solingen/Remscheid – Die Sorgen um die Sicherheit an der Müngstener Brücke und im Brückenpark beschäftigen weiterhin die Städte Solingen und Remscheid. Auslöser der aktuellen Diskussion ist ein Offener Brief von Stefan Böhm, der den Kiosk und die Minigolfanlage unmittelbar unterhalb der Müngstener Brücke betreibt. Darin hatte Böhm weiteren Handlungsbedarf bei der Suizidprävention angemahnt und zusätzliche Schutzmaßnahmen gefordert.
Die Städte Solingen und Remscheid reagieren nun gemeinsam auf den Offenen Brief und erklären in einer gemeinsamen Pressemitteilung, dass sie die von Böhm geäußerten Sorgen sehr ernst nehmen. Gleichzeitig stehen die Verantwortlichen im Austausch mit der Deutschen Bahn über eine Weiterentwicklung der bestehenden Schutz- und Präventionsmaßnahmen.
In seinem Offenen Brief wirft Böhm insbesondere die Frage auf, ob die bislang getroffenen Vorkehrungen ausreichen, um Menschen in Krisensituationen sowie Besucher des Brückenparks zu schützen. Zudem fordert er, weitere bauliche, technische und ergänzende Möglichkeiten zu prüfen.
„Jedes verlorene Menschenleben ist eines zu viel“
Die beiden Oberbürgermeister Daniel Flemm (Solingen) und Sven Wolf (Remscheid) unterstreichen die Bedeutung des Themas.
„Jedes verlorene Menschenleben, jeder Todesfall an der Müngstener Brücke ist einer zu viel und eine unermessliche Tragödie für die Angehörigen und Betroffenen. Auch für Augenzeugen und Einsatzkräfte sind solche Situationen extrem belastend. Der Schutz von Menschenleben und die stetige, gemeinsame Verbesserung der Prävention vor Ort sind uns ein tiefes, persönliches Anliegen“, erklären Flemm und Wolf gemeinsam.
Beide Städte begrüßen deshalb ausdrücklich, dass die Deutsche Bahn angekündigt hat, die vorhandenen Schutzmaßnahmen weiterzuentwickeln und zusätzliche Vorkehrungen zu prüfen.
Warnanlage seit Ende April in Betrieb
Die Deutsche Bahn hatte Ende April eine technische Warnanlage an der Müngstener Brücke in Betrieb genommen. Nach Angaben des Unternehmens arbeitet das System derzeit stabil und fehlerfrei.
Die Anlage erkennt Personen, die einen entsprechend gesicherten Bereich betreten, und warnt sie vor der bestehenden Gefahr. Gleichzeitig werden sie zur Umkehr aufgefordert.
Nun soll das System erweitert werden. Künftig soll beim Auslösen der Anlage zusätzlich eine Nachricht an den Fahrdienstleiter in Remscheid und anschließend an die zuständigen Behörden übermittelt werden.
Dadurch soll das Gleis nach Angaben der Bahn schnell gesperrt und gleichzeitig eine Alarmierung der Behörden ausgelöst werden. Dieser zusätzliche Kommunikationsweg soll laut Bahn in Kürze in den Prozess integriert werden. Die mit dem System gesammelten Erfahrungen will das Unternehmen nach einiger Zeit auswerten.
Weitere Zaunanlage auf Solinger Seite geplant
Zusätzliche bauliche Maßnahmen sind ebenfalls vorgesehen. Auf Remscheider Seite hat die Deutsche Bahn bereits eine Zaunanlage errichtet, die ein Umgehen der technischen Warnanlage erschweren soll.
Eine entsprechende Zaunanlage auf Solinger Seite soll nach Angaben der Bahn voraussichtlich noch im August errichtet werden.
Die ebenfalls diskutierte Installation von Sicherungsnetzen an der Müngstener Brücke ist nach Angaben der Deutschen Bahn dagegen nicht möglich. Als Gründe nennt das Unternehmen die Statik des Bauwerks sowie die auftretenden Windlasten.
Eigentümer der Müngstener Brücke ist die Deutsche Bahn, die nach Angaben der beiden Städte für die Sicherheit auf dem Bauwerk hauptverantwortlich ist. Solingen und Remscheid wollen den Austausch mit dem Unternehmen fortsetzen. Ziel sei es, die Prävention vor Ort gemeinsam stetig weiterzuentwickeln.
Hinweis der Redaktion:
Bei der Berichterstattung über Suizide und Suizidprävention verzichten die Solinger Nachrichten bewusst auf eine detaillierte Darstellung konkreter Abläufe und Umstände. Hintergrund ist die wissenschaftlich belegte Gefahr von Nachahmungseffekten. Die Redaktion orientiert sich bei diesem sensiblen Thema an den Empfehlungen für eine verantwortungsvolle Berichterstattung.










