Solingen – Das für Sonntag, 23. August, geplante ukrainische Sommerfest an der Lutherkirche in Solingen ist abgesagt worden. Die Veranstaltung sollte ausgerechnet an jenem Tag stattfinden, an dem sich der Terroranschlag auf dem Solinger Fronhof zum zweiten Mal jährt. Die Terminüberschneidung hatte zuvor insbesondere in den sozialen Netzwerken für erhebliche Diskussionen und Kritik gesorgt.
Geplant war ein Sommerfest anlässlich des ukrainischen Unabhängigkeitstages. Der Lutherkirchen Bauverein und Dobre e.V. – Ukraine-Hilfe im Rheinland wollten gemeinsam von 11.30 bis 16.00 Uhr auf dem Gelände der Lutherkirche feiern. Vorgesehen waren unter anderem ukrainische Musik, Speisen, ein Kinderprogramm sowie Informationen über die Ukraine-Hilfe.
Nun findet das Sommerfest nicht statt.
Termin sorgte für deutliche Kritik
Vor allem der gewählte Veranstaltungstag war in den vergangenen Tagen Gegenstand kontroverser Diskussionen. Auch unter Beiträgen der Solinger Nachrichten in den sozialen Netzwerken wurde die Frage aufgeworfen, ob ein fröhliches Sommerfest mit Musik, Essen und zahlreichen Besuchern an diesem besonderen Tag und in unmittelbarer Nähe zum damaligen Tatort angemessen sei.
Denn nur wenige hundert Meter Luftlinie von der Lutherkirche entfernt liegt der Fronhof. Dort ereignete sich am Abend des 23. August 2024 während des „Festivals der Vielfalt“ zum 650-jährigen Stadtjubiläum eine der schlimmsten Gewalttaten der jüngeren Solinger Geschichte.
Ein Attentäter griff Besucher des Stadtfestes mit einem Messer an. Drei Menschen wurden brutal ermordet, weitere Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt. Der Anschlag erschütterte Solingen weit über die Stadtgrenzen hinaus und wirkt bis heute nach.
Gerade deshalb stieß die Vorstellung, am zweiten Jahrestag und nur wenige hundert Meter entfernt zeitgleich ein Sommerfest zu veranstalten, bei zahlreichen Menschen auf Unverständnis. Andere wiederum verwiesen darauf, dass zum Programm des ukrainischen Festes ausdrücklich auch eine Andacht zum Gedenken an die Kriegsopfer gehören sollte.
Die Diskussion zeigte damit auch, wie unterschiedlich die Frage beantwortet wird, welche Form des öffentlichen Lebens an einem solchen Gedenktag angemessen ist.
Solingen erinnert am 23. August an die Opfer
Während das Sommerfest an der Lutherkirche nun abgesagt ist, steht der 23. August in der Solinger Innenstadt ganz im Zeichen der Erinnerung an die Opfer des Terroranschlags.
Die Stadt Solingen und der Evangelische Kirchenkreis haben für den zweiten Jahrestag mehrere Veranstaltungen vorbereitet. Um 10.00 Uhr beginnt in der Evangelischen Stadtkirche am Fronhof ein thematischer Gedenkgottesdienst. Anschließend ist eine Kranzniederlegung am Gedenkstein vorgesehen.
Von 19.00 bis 21.00 Uhr folgt im Bürgersaal der Stadtkirche eine Dialogveranstaltung. Dabei soll es darum gehen, wie die Menschen in Solingen mit den Folgen des Anschlags umgehen.
Ministerpräsident Hendrik Wüst kommt nach Solingen
Besondere Bedeutung erhält das öffentliche Gedenken am Abend. Um 21.30 Uhr – unmittelbar zum damaligen Tatzeitpunkt – versammeln sich Bürger, Vertreter der Stadt sowie weitere Gäste am Gedenkstein an der Stadtkirche.
Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) wird zu der Gedenkveranstaltung in Solingen erwartet.
Damit richtet sich der Blick an diesem Abend erneut auf jenen Ort, an dem das Stadtfest vor zwei Jahren innerhalb weniger Minuten von einem fröhlichen Fest zu einem Tatort wurde.
Für viele Solinger dürfte der 23. August deshalb auch zwei Jahre nach dem Anschlag kein gewöhnlicher Sonntag sein. Die Tat hat tiefe Spuren in der Stadtgesellschaft hinterlassen, die bis heute nachwirken.
Absage nach kontroverser Debatte
Mit der Absage des ukrainischen Sommerfestes dürfte zumindest die konkrete Diskussion um zwei sehr unterschiedliche Veranstaltungen in unmittelbarer räumlicher Nähe beendet sein.
Ob und in welchem Umfang die zuvor geäußerte Kritik in den sozialen Netzwerken bei der Entscheidung der Veranstalter eine Rolle gespielt hat, ist bislang nicht bekannt. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der öffentlichen Debatte und der Absage lässt sich daher derzeit nicht belegen.
Unabhängig davon hat die Diskussion der vergangenen Tage deutlich gemacht, wie sensibel der 23. August für viele Menschen in Solingen auch zwei Jahre nach dem Terroranschlag noch immer ist.
An diesem Tag werden die Gedanken vieler Solinger vor allem bei den drei ermordeten Menschen, den damaligen Verletzten und all jenen sein, deren Leben sich durch die schrecklichen Ereignisse auf dem Fronhof für immer verändert hat.










