Was landet eigentlich in der grauen Tonne?
Solingen – Was werfen die Klingestädter eigentlich alles in ihre grauen Tonnen? Dieser Frage gehen die Technischen Betriebe Solingen (TBS) in der kommenden Woche genauer nach. Von Montag, 24. August, bis Freitag, 28. August, wird der Restmüll im Stadtgebiet stichprobenartig untersucht. Dabei geht es allerdings nicht darum, einzelnen Haushalten bei der Mülltrennung auf die Finger zu schauen.
Ziel der Untersuchung ist vielmehr, die stoffliche und chemische Zusammensetzung des Solinger Restmülls möglichst genau zu bestimmen. Die gewonnenen Daten werden benötigt, um die bei der Müllverbrennung entstehenden Emissionen präzise und rechtssicher erfassen zu können.
Tonnen können auch außerplanmäßig geleert werden
Während des Untersuchungszeitraums wählen die TBS nach dem Zufallsprinzip Grundstücke im Solinger Stadtgebiet aus. Dort werden die Restmüllbehälter stichprobenartig geleert.
Für die betroffenen Anwohner kann das zunächst ungewohnt sein: Die Leerung kann auch an einem Tag stattfinden, der nicht dem üblichen Abfuhrtermin entspricht. Die Tonnen werden dabei jedoch nicht mitgenommen oder ausgetauscht. Ihr Inhalt wird lediglich in größere Abfallsammelbehälter umgefüllt und anschließend für die Untersuchung verwendet.
Auswirkungen auf die reguläre Abfallentsorgung soll die Aktion nicht haben. Diese bleibt nach Angaben der TBS durchgehend gewährleistet.
Untersuchung erfolgt vollständig anonym
Wer zufällig für die Stichprobe ausgewählt wird, muss sich auch keine Gedanken darüber machen, dass die TBS anschließend wissen, was in welchem Haushalt weggeworfen wurde. Die gesamte Untersuchung erfolgt anonymisiert. Rückschlüsse auf einzelne Haushalte oder Bewohner sind nach Angaben der Technischen Betriebe nicht möglich.
Die zufällige Auswahl der Grundstücke soll gleichzeitig dafür sorgen, dass am Ende eine möglichst repräsentative Datengrundlage für den Solinger Restmüll entsteht.
Labor untersucht auch mögliche Emissionen
Die Analyse geht deutlich über eine klassische Untersuchung von Abfällen hinaus. Bei Papier, Pappe oder Kartonagen wird beispielsweise in erster Linie festgestellt, aus welchen Stoffen der untersuchte Abfall besteht.
Beim Restmüll reicht das nicht aus. Neben der Sortierung und Bestimmung der einzelnen Bestandteile werden deshalb Laborproben genommen. Auf diese Weise lässt sich der spezifische Emissionswert des untersuchten Abfalls genauer bestimmen.
CO₂-Zertifikate für das Müllheizkraftwerk
Hintergrund ist das Brennstoffemissionshandelsgesetz. Als Betreiber des Solinger Müllheizkraftwerks sind die Technischen Betriebe verpflichtet, für fossile CO₂-Emissionen, die bei der Verbrennung entstehen, entsprechende Emissionszertifikate zu erwerben.
Dabei ist entscheidend, welcher Anteil des verbrannten Mülls tatsächlich fossilen Ursprungs ist. Die detaillierte Untersuchung soll deshalb dafür sorgen, dass möglichst genau die tatsächlich verursachten fossilen CO₂-Mengen berücksichtigt werden.
Für die TBS bildet die Restmüllanalyse damit eine wichtige Grundlage, um die Kosten im Rahmen des Emissionshandels präzise und rechtssicher abrechnen zu können.
Für Solinger Haushalte bedeutet die Untersuchung vor allem eines: Wer zwischen dem 24. und 28. August feststellt, dass seine graue Tonne plötzlich außerhalb des gewohnten Abfuhrplans geleert wird, muss sich nicht wundern. Möglicherweise ist der eigene Restmüll Teil der Solinger Stichprobe.










