SolingenKerzen, Glockenschläge und Schweigeminute: Solingen gedenkt am Fronhof der Opfer des Terror-Anschlags

Kerzen, Glockenschläge und Schweigeminute: Solingen gedenkt am Fronhof der Opfer des Terror-Anschlags

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Rund 150 Menschen haben am Sonntagabend am Fronhof der Opfer des islamistischen Terroranschlags vom 23. August 2024 gedacht. Unter ihnen waren Angehörige, Betroffene und damalige Einsatzkräfte. Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst sowie mehrere Mitglieder der Landesregierung nahmen an der Gedenkveranstaltung teil.

Solingen – Zwei Jahre nach dem islamistischen Terroranschlag auf das „Festival der Vielfalt“ ist Solingen am Sonntagabend noch einmal an jenem Ort zusammengekommen, an dem vor zwei Jahren drei Menschen brutal durch den syrischen Attentäter Issa al H. (28) ermordet und acht weitere teils schwer verletzt wurden. Rund 150 Trauernde versammelten sich nach Angaben der Stadt am Gedenkstein vor der Evangelischen Stadtkirche.

Unter den Teilnehmern waren Angehörige der Opfer, Betroffene, Einsatzkräfte von damals sowie Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kirche und Zivilgesellschaft. Gemeinsam hielten sie inne und setzten ein Zeichen des Zusammenhalts.

Das Foto (©SN) zeigt NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst

Neben NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und Oberbürgermeister Daniel Flemm (beide CDU) waren auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, NRW-Integrationsministerin Verena Schäffer (beide Grüne) und NRW-Justizminister Dr. Benjamin Limbach nach Solingen gekommen.

„Der Hass hat niemals das letzte Wort“

Die zentrale Gedenkveranstaltung begann um 21.30 Uhr am Gedenkstein vor der Stadtkirche. Superintendentin Dr. Ilka Werner und die Vorsitzende des Solinger Katholikenrats, Dr. Ulrike Spengler-Reffgen, eröffneten den Abend mit einem liturgischen Impuls. Kantor Fabian Bischoff begleitete das Gedenken musikalisch.

Anschließend wandte sich Oberbürgermeister Daniel Flemm an die Anwesenden. „Zwei Jahre sind vergangen. Wir sind heute hier, um zu erinnern, um Raum für Trost zu schaffen, um vereint Seite an Seite zu stehen“, sagte Flemm.

Er sprach den Betroffenen sowie den Familien und Angehörigen der Opfer sein tiefes Mitgefühl aus. Zugleich dankte er den Einsatz- und Rettungskräften sowie den zahlreichen Helfern, die den Menschen am Abend des Anschlags beigestanden hatten.

Foto: © SN

Erst im Juli waren sechs Solinger und eine Frau aus Münster für ihr damaliges Eingreifen mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden. „Sie haben ohne Zögern Verantwortung übernommen“, betonte der Oberbürgermeister.

Flemm appellierte zugleich an den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft: „Wir lassen uns von niemandem gegeneinander aufbringen. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir leben unsere Freiheit und tun das Möglichste, um sie zu schützen.“

Seine Ansprache verband er mit einer klaren Botschaft: „Der Hass hat niemals das letzte Wort.“

Schweigeminute genau zum Zeitpunkt des Anschlags

Um 21.37 Uhr – genau zu jenem Zeitpunkt, an dem der Täter vor zwei Jahren seinen Angriff begann – gedachten die Anwesenden in einer gemeinsamen Schweigeminute der Opfer.

Zahlreiche Teilnehmer hielten am Sonntagabend Gedenkkerzen in ihren Händen. Für einen Moment rückten politische Fragen in den Hintergrund. Im Mittelpunkt standen die Getöteten, die Verletzten und all jene Menschen, deren Leben durch den Terroranschlag dauerhaft verändert wurde.

Wüst: Hass und Gewalt dürfen niemals eine Chance haben

Im Anschluss an die Schweigeminute ergriff Ministerpräsident Hendrik Wüst das Wort. Auch er sprach den Familien und Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus.

„Mich erfüllt dieser Akt des Terrors auch zwei Jahre später mit Trauer und mit Schmerz. Trauer um die drei Menschen, die mitten aus dem Leben gerissen wurden. Schmerz angesichts der Folgen, die die Opfer und Angehörigen seit zwei Jahren erleiden“, erklärte Wüst.

Foto: © SN

Die Erinnerung an die Tat erfülle ihn zugleich mit Entschlossenheit, für die freiheitliche Lebensweise einzutreten. „Hass und Gewalt dürfen niemals eine Chance haben in unserem Land“, betonte der Ministerpräsident.

Solingen habe gezeigt, was eine Stadt einem solchen Angriff entgegensetzen könne. „Menschen in Solingen haben dem Hass und der Gewalt Zusammenhalt und Solidarität entgegengesetzt. Solingen zeigt damit, was eine freie Gesellschaft stark macht“, sagte Wüst.

Raum für Gespräche und persönliche Erinnerungen

Bereits vor dem Gedenken am Gedenkstein hatte der Bürgersaal der Stadtkirche Raum für Austausch und persönliche Gespräche geboten. Die Dialogveranstaltung von 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr wurde gemeinsam mit der Konfliktakademie „ConflictA“ der Universität Bielefeld gestaltet.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Menschen in Solingen zwei Jahre später mit dem Anschlag und seinen Folgen umgehen. Besucher konnten Gedanken, Erfahrungen und Sorgen einbringen. Für Menschen, bei denen die Erinnerungen an die damaligen Ereignisse erneut starke Gefühle auslösten, standen Ansprechpartner der psychosozialen Notfallversorgung bereit.

Foto: © SN

Schon ab 18.00 Uhr waren der Kirchenraum und das Café Gloria geöffnet. Während einige Besucher das Gespräch suchten, nutzten andere die Stadtkirche für ein stilles Gebet oder einen persönlichen Moment des Erinnerns.

Abschluss eines ganztägigen Gedenkprogramms

Die Zusammenkunft am Fronhof bildete den Abschluss eines ganztägigen Programms zum zweiten Jahrestag des Terroranschlags.

Bereits am Sonntagvormittag hatte in der Evangelischen Stadtkirche ein gut besuchter Gedenkgottesdienst stattgefunden. Auch Oberbürgermeister Daniel Flemm nahm daran teil. Im Anschluss wurden am Gedenkstein Kränze niedergelegt.

Am frühen Abend folgte die Dialogveranstaltung im Bürgersaal, bevor die Teilnehmer zur zentralen Gedenkfeier vor der Stadtkirche zusammenkamen.

Der Fronhof bleibt ein Ort des Erinnerns

Der Gedenkstein vor der Stadtkirche ist zu einem festen Ort des Erinnerns geworden. Immer wieder legen Menschen dort Blumen und Kerzen nieder. Auch am zweiten Jahrestag zeigte sich, wie tief die Ereignisse des 23. August 2024 in der Stadt nachwirken.

Die Gedenkveranstaltung machte zugleich deutlich: Solingen vergisst die Opfer nicht. Die Stadt stellt sich ihrer Trauer und setzt dem Terror Zusammenhalt, Solidarität und die Entschlossenheit entgegen, ihre Freiheit zu bewahren.

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