Rund 50 Anwohner informieren sich an der Neuenkamper Straße
Solingen – Noch vor dem Einzug der ersten Bewohner hat die Stadt Solingen die Nachbarschaft zu einer Informationsveranstaltung in die neue Flüchtlingsunterkunft an der Neuenkamper Straße eingeladen. Rund 50 Personen nutzten am Mittwochabend die Gelegenheit, sich die Einrichtung anzusehen und Fragen zur künftigen Nutzung, zur Sicherheit und zum Zusammenleben im direkten Umfeld zu stellen.
Neben zahlreichen Mitarbeitern der Unterkunft nahmen auch Rechtsdezernent Jan Welzel, der als „ROSi-Dezernent“ für Recht, Ordnung und Sicherheit zuständig ist, sowie Iris Erkelenz, Abteilungsleiterin beim Stadtdienst Soziales, moderierend an der Nachbarschaftsversammlung teil.

Zu Beginn informierten die Vertreter der Stadt in einem kurzen Vortrag über die Einrichtung und das geplante Betreuungskonzept. Die Sozialberatung innerhalb der Unterkunft übernimmt demnach die Diakonie. Deren Mitarbeiter sollen künftig gemeinsam mit den städtischen Bediensteten auch für die Nachbarschaft als Ansprechpartner bei Fragen oder Anliegen zur Verfügung stehen.
Lebhafte Diskussion über Sicherheit
Welzel fragte die Anwesenden ausdrücklich nach ihren Bedenken, Anregungen und offenen Fragen. Daraus entwickelte sich zeitweise eine lebhafte, insgesamt jedoch sachliche Diskussion. Im Mittelpunkt stand unter anderem die Frage, wie die Sicherheit innerhalb der Unterkunft und im unmittelbaren Umfeld gewährleistet werden soll.
Welzel und Erkelenz erklärten, dass regelmäßige Kontrollen vorgesehen seien und bei Problemen jederzeit reagiert werden könne. Dafür stehe ein rund um die Uhr (24/7) erreichbarer Bereitschaftsdienst der Stadt zur Verfügung.
Auf die Frage einer Anwohnerin nach konkreten Kontaktmöglichkeiten sagte Erkelenz zu, dass interessierte Nachbarn eine Telefonliste erhalten könnten. Damit soll sichergestellt werden, dass bei dringenden Anliegen jederzeit ein zuständiger Ansprechpartner der Stadt erreicht werden kann.
Einzelheiten des Sicherheitskonzeptes könnten aus nachvollziehbaren Gründen nicht öffentlich mitgeteilt werden, betonte Welzel. Auf Nachfrage der Solinger Nachrichten erklärte Welzel, dass die Unterkunft nicht rund um die Uhr von einem vor Ort anwesenden Sicherheitsdienst bewacht werde.
Stattdessen soll das Gelände regelmäßig durch den Sicherheitsdienst sowie durch den Kommunalen Ordnungsdienst der Stadt Solingen kontrolliert werden. Die eingesetzten Kräfte verfügen über Hausrecht und können bei Verstößen gegen die Hausordnung sofort einschreiten.
Besuche nach 22.00 Uhr nicht erlaubt
Für Bewohner und Besucher gilt eine verbindliche Hausordnung, deren Einhaltung kontrolliert werden soll. Unter anderem ist der Empfang von Besuchern innerhalb der Unterkunft und auf dem zugehörigen Grundstück nach 22.00 Uhr grundsätzlich untersagt.
Welzel verwies auf die Erfahrungen mit den bereits betriebenen Flüchtlingsunterkünften an der Zietenstraße und an der Friedrich-Ebert-Straße. Die dortigen Konzepte hätten sich bewährt. Der Betrieb laufe nach Angaben des Rechtsdezernenten grundsätzlich problemlos.
Die allgemeine Flüchtlingssituation sei derzeit etwas ruhiger, erklärte Welzel. Dies könne sich angesichts internationaler Entwicklungen allerdings jederzeit wieder ändern. Die Stadt müsse deshalb weiterhin über ausreichende Unterbringungsmöglichkeiten verfügen.
Platz für bis zu 80 Menschen
Die neue Gemeinschaftsunterkunft an der Neuenkamper Straße bietet Platz für insgesamt bis zu 80 Menschen. Der zweigeschossige Neubau wurde in Holzrahmenbauweise errichtet. Die entsprechenden Planungen waren bereits Anfang 2024 öffentlich vorgestellt worden. Ursprünglich sollte die Einrichtung deutlich früher in Betrieb gehen, die Fertigstellung und Übergabe verzögerten sich jedoch.

Die Bewohner werden in kleinen Wohneinheiten untergebracht. Vorgesehen sind sowohl Wohngemeinschaften mit bis zu vier Einzelpersonen als auch separate Unterbringungsmöglichkeiten für Familien. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sollen in der Einrichtung grundsätzlich nicht untergebracht werden.
Die einzelnen Wohneinheiten haben Appartement-Charakter. Sie verfügen jeweils über ein eigenes Badezimmer mit Dusche und WC sowie eine vollständig eingerichtete Küche mit Herd und Kühlschrank. Jedem Bewohner stehen außerdem ein Einzelbett und ein eigener Kleiderschrank zur Verfügung.

Auf dem Außengelände wurden Aufenthaltsbereiche mit Sitzgelegenheiten geschaffen. Für Kinder gibt es zudem einen kleinen Spielplatz.
Anwohner kritisieren helle Außenbeleuchtung
Mehrere Nachbarn sprachen während der Versammlung die aus ihrer Sicht problematische Außenbeleuchtung an. Das Gelände werde in den Abend- und Nachtstunden teilweise so stark ausgeleuchtet, dass sich Anwohner davon beeinträchtigt fühlten.
Das Problem war bereits vor der Nachbarschaftsversammlung öffentlich thematisiert worden. Iris Erkelenz erklärte, die Hinweise seien an das städtische Gebäudemanagement weitergegeben worden. Durch kurzfristige Veränderungen am Beleuchtungskonzept soll die Belastung für die angrenzenden Wohnhäuser reduziert werden.
Mit der Veranstaltung wollte die Stadt nach eigenen Angaben frühzeitig den Kontakt zur Nachbarschaft herstellen. Die angebotenen Ansprechpartner und direkten Telefonnummern sollen auch nach der Inbetriebnahme einen kurzen Draht zwischen Anwohnern, Unterkunft, Diakonie und Stadtverwaltung ermöglichen.










