Hohe Bordsteine, fehlende Leitsysteme und blockierte Gehwege können für Menschen mit Behinderungen schnell zu unüberwindbaren Hindernissen werden
Solingen – Baustellen im öffentlichen Raum stellen Menschen mit Behinderungen häufig vor erhebliche Probleme. Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Solingen möchte deshalb erfahren, wie die Stadt bei ihren Planungen die Barrierefreiheit sicherstellt. Für die nächste Sitzung des Beirats für Menschen mit Behinderungen hat die Fraktion einen aktuellen Sachstandsbericht beantragt.
Betroffene sollen frühzeitig beteiligt werden
Die CDU möchte zunächst wissen, ob der Beirat und unmittelbar Betroffene bereits frühzeitig in die Planung von Baustellen eingebunden werden. Eine Beteiligung erst nach Einrichtung einer Baustelle greift aus Sicht vieler Menschen mit Behinderungen zu kurz: Bestehende Hindernisse lassen sich dann häufig nur noch mit erheblichem Aufwand beseitigen.

Gerade Rollstuhlfahrer und Menschen, die auf einen Rollator angewiesen sind, benötigen durchgehend befahrbare Wege. Schon vermeintlich geringe Höhenunterschiede können dabei zu einer erheblichen Barriere werden. Die CDU fragt deshalb, ob Bordsteine an temporären Übergängen und Ausweichrouten vollständig auf null Zentimeter abgesenkt werden können. Die häufig verwendete Kantenhöhe von drei Zentimetern ermögliche nicht allen Betroffenen eine selbstständige Nutzung.
Absperrungen müssen mit dem Langstock erkennbar sein
Ein weiterer Schwerpunkt der Anfrage betrifft blinde und sehbehinderte Menschen. Baustellenabsperrungen und Hindernisse müssen so gestaltet sein, dass sie frühzeitig mit einem Langstock ertastet werden können. Fehlen bodennahe Begrenzungen oder eindeutige taktile und kontrastreiche visuelle Hinweise, besteht die Gefahr, dass Betroffene gegen Absperrungen laufen oder unbemerkt in einen unsicheren Bereich geraten.
Auch unterbrochene Leitsysteme können erhebliche Folgen haben. Menschen, die sich an taktilen Bodenmarkierungen orientieren, verlieren an Baustellen möglicherweise ihre gewohnte Führung. Provisorische Wege müssen daher eindeutig erkennbar, hindernisfrei und sicher nutzbar sein.
Umwege müssen ebenfalls barrierefrei sein
Die Fraktion fragt außerdem, ob verhindert wird, dass Baustellen Gehwege ohne rechtzeitig ausgeschilderte und barrierefreie Alternative blockieren. Ein einfacher Hinweis auf die gegenüberliegende Straßenseite reicht nicht aus, wenn dort keine abgesenkten Bordsteine vorhanden sind oder der Umweg selbst weitere Hindernisse aufweist.
Für Menschen ohne Einschränkungen bedeutet eine Baustelle häufig lediglich einen kurzen Umweg. Für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollator sowie blinde oder sehbehinderte Personen kann dieselbe Situation dagegen dazu führen, dass ein Ziel überhaupt nicht mehr selbstständig erreichbar ist. Besonders problematisch wird es, wenn Betroffene auf die Fahrbahn ausweichen müssen oder erst unmittelbar vor der Absperrung erkennen, dass der Weg endet.
„Beim Bauen im öffentlichen Raum entstehen oft unüberwindbare Barrieren. Schlecht abgesicherte Baustellen, fehlende Leitsysteme und hohe Kanten isolieren Menschen mit Behinderungen im Alltag“, heißt es in der Begründung der Anfrage.
Die CDU spricht sich daher dafür aus, die barrierefreie Baustellenplanung in Solingen systematisch zu verankern. Nach Auffassung der Fraktion dürfen Baustellen bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention keine Ausnahme bilden. Entscheidend dürfte nun sein, ob die Stadt bereits über verbindliche Standards verfügt und wie deren Einhaltung auf den einzelnen Baustellen kontrolliert wird.










