RegionalesVBE Solingen warnt vor Einschränkung der Teilzeit an Schulen

VBE Solingen warnt vor Einschränkung der Teilzeit an Schulen

- Anzeige - spot_img

Verband sieht darin keine Lösung für den Lehrkräftemangel – Arbeitsbedingungen müssten verbessert werden

Eine Einschränkung der Teilzeitbeschäftigung würde nach Ansicht des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Solingen die Personalnot an den Schulen nicht lösen. Der Verband widerspricht damit einer aktuell veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Das IW kommt zu dem Ergebnis, dass sich der Personalmangel im öffentlichen Dienst rechnerisch zu einem erheblichen Teil ausgleichen ließe, wenn Teilzeitbeschäftigte ihre Arbeitszeit in Richtung Vollzeit ausweiten würden. Dies gelte auch für den Bildungsbereich. Der VBE Solingen hält diese Betrachtung jedoch für zu kurz gegriffen.

„Wer lediglich Arbeitszeitkontingente zusammenrechnet, ignoriert die Realität in unseren Schulen. Viele Lehrkräfte arbeiten bereits heute weit über ihre eigentliche Arbeitszeit hinaus. Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Elterngespräche, Dokumentationen und zahlreiche zusätzliche Aufgaben verschwinden nicht dadurch, dass sie in keiner Unterrichtsstunde auftauchen. Insbesondere der Bereich der Verwaltungsarbeiten sorgt für große Belastungen“, erklärt Jens Merten, Vorsitzender des VBE Solingen.

Teilzeit dient häufig der Entlastung

Aus Sicht des VBE Solingen ist Teilzeitarbeit für viele Beschäftigte keine Frage der Bequemlichkeit. Sie ermögliche es Lehrkräften vielmehr, die hohe Arbeitsbelastung dauerhaft zu bewältigen oder die beruflichen Anforderungen mit der Betreuung von Kindern und der Pflege von Angehörigen zu vereinbaren.

„Die Vorstellung, wir könnten den Lehrkräftemangel lösen, indem Teilzeitkräfte einfach ein paar Stunden mehr arbeiten, ist eine Milchmädchenrechnung. Auch an den Solinger Schulen erleben wir hautnah, dass Kolleginnen und Kollegen ihre Unterrichtszeit reduzieren, weil die tatsächliche Gesamtbelastung kaum noch zu bewältigen ist. Wer jetzt den Druck auf diese Beschäftigten zusätzlich erhöht, riskiert am Ende nicht mehr, sondern weniger Personal in unseren Schulen“, betont Daniel Weber, stellvertretender Vorsitzender des VBE Solingen.

Ursachen des Personalmangels seien strukturell

Der VBE Solingen warnt davor, mit entsprechenden Vorschlägen die Verantwortung für den Personalmangel auf die Beschäftigten zu verlagern. Die Ursachen seien struktureller Natur und seit vielen Jahren bekannt.

„Wir sollten uns nicht darüber unterhalten, wie wir aus einem ohnehin hoch belasteten System noch ein paar zusätzliche Stunden herauspressen können. Wir müssen darüber sprechen, warum so viele Kolleginnen und Kollegen überhaupt das Bedürfnis haben, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Genau dort liegt der Schlüssel“, so Merten.

Der Verband fordert deshalb bessere Arbeitsbedingungen, eine konsequente Entlastung der Lehrkräfte von Verwaltungs- und Zusatzaufgaben, ausreichend multiprofessionelles Personal sowie eine attraktive und faire Bezahlung.

Wenn die Politik erreichen wolle, dass mehr Beschäftigte freiwillig ihre Arbeitszeit erhöhen, müsse sie nach Ansicht des VBE zunächst die dafür notwendigen Voraussetzungen schaffen.

„Wenn Politik möchte, dass mehr Menschen freiwillig ihre Arbeitszeit erhöhen, muss sie die Voraussetzungen dafür schaffen. Ein Arbeitsplatz, der dauerhaft überlastet, wird nicht attraktiver, indem man die Beschäftigten zu mehr Arbeit auffordert. Gute Arbeitsbedingungen sind die beste Personalgewinnungs- und Personalbindungsstrategie“, erklärt Weber abschließend.

- Anzeige - spot_img