Wählergemeinschaft spricht sich für eine reduzierte Sanierungsvariante aus und warnt vor unkalkulierbaren Folgen eines Neubaus
Solingen – Die anstehende Entscheidung über die Zukunft des Theater- und Konzerthauses gehört nach Einschätzung der SG zukunft. zu den wichtigsten Weichenstellungen für Zukunft der Klingenstadt. Die Wählergemeinschaft spricht sich klar für den Erhalt des bestehenden Kulturgebäudes aus und lehnt die bislang diskutierten Neubaupläne ab.
Aus Sicht der SG zukunft. sprechen sowohl die erwarteten Kosten als auch die Auswirkungen auf die Solinger Feuerwehr gegen einen Neubau. Eine solche Lösung würde nach Auffassung der Wählergemeinschaft deutlich teurer als eine umfassende Kernsanierung des Theater- und Konzerthauses in Verbindung mit dem Bau zweier Feuerwachen. Gleichzeitig bestehe die Gefahr, dass die Feuerwehr unkalkulierbar lange auf moderne Arbeitsplätze warten müsse.
Einsparungen bei der Feuerwehr angezweifelt
Kritisch bewertet die SG zukunft. auch die in Aussicht gestellten Personaleinsparungen bei einer zentralen Feuerwache. Diese könnten frühestens nach dem Umzug wirksam werden. Zudem seien die Berechnungen bereits während der Sondersitzung des Rates durch das beteiligte Architekturbüro und die Feuerwehr relativiert worden.
Bis zur Fertigstellung einer neuen Feuerwache werde voraussichtlich sogar zusätzliches Personal benötigt. Darüber hinaus könnten sich Technik, Aufgaben und Arbeitsabläufe bei der Feuerwehr bis dahin deutlich verändern. Dies erschwere nach Auffassung der Wählergemeinschaft eine verlässliche langfristige Planung.
Statt ausgerechnet bei der Feuerwehr 22 Stellen einzusparen, sieht die SG zukunft. größere Einsparpotenziale in anderen Bereichen der Stadtverwaltung. Die Beschäftigten der Feuerwehr arbeiteten schließlich unmittelbar für die Sicherheit der Solinger Bevölkerung.
Folgen für Nordstadt und Verkehr ungeklärt
Nach Ansicht der SG zukunft. sind außerdem die möglichen Auswirkungen der Planungen auf die Nordstadt bislang nicht ausreichend untersucht worden. Bewohner, mit denen sich die Wählergemeinschaft ausgetauscht habe, teilten demnach nicht die Einschätzung des Architekturbüros, wonach die Nordstadt „gut funktioniere“.
Besonders kritisch sieht die SG zukunft. die möglichen Verkehrsfolgen einer Feuerwache am Standort des Theater- und Konzerthauses. Diese seien bislang keineswegs ausreichend geprüft worden. Die Wählergemeinschaft verweist zudem auf eine Veröffentlichung der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft (DTHG), die zahlreiche Kulturbauprojekte begleitet und berät. Deren Einschätzung schließt sich die SG zukunft. nach eigenen Angaben umfassend an.
Hier das Positionspapier der DTHG im Original:
„Positionspapier der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft zur nachhaltigen Entwicklung von Kulturbauten am Beispiel des Theater- und Konzerthauses Solingen
Die nachfolgenden Ausführungen geben die fachliche Einschätzung der Deutschen Theatertechnischen Gesellschaft zur aktuellen Diskussion über die Zukunft des Theater- und Konzerthauses Solingen wieder. Sie beruhen auf der langjährigen Erfahrung der DTHG in der Planung, dem Bau, der Modernisierung und dem Betrieb von Kulturbauten sowie auf einer eigenen fachlichen Bestandsaufnahme des Gebäudes im Jahr 2022.
Nachhaltige Stadtentwicklung beginnt nicht mit dem Abriss funktionierender Kulturbauten, sondern mit ihrer intelligenten Weiterentwicklung.
In Solingen wird diskutiert, das Theater- und Konzerthaus abzureißen und an gleicher Stelle eine zentrale Feuerwache mit einem deutlich kleineren Veranstaltungsgebäude zu errichten. Damit steht nicht nur eine Bau- oder Finanzierungsfrage im Raum, sondern eine grundlegende Entscheidung über die zukünftige Entwicklung der Innenstadt, ihre kulturelle Identität und ihren städtebaulichen Charakter.
Die Deutsche Theatertechnische Gesellschaft begleitet seit vielen Jahrzehnten die Planung, den Bau, die Sanierung und den Betrieb von Theatern und Kulturbauten im deutschsprachigen Raum. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2022 der bauliche Zustand des Theater- und Konzerthauses fachlich begutachtet. Die Begehung umfasste sämtliche Gebäudebereiche – vom Keller bis zum Dach – einschließlich der Bühnen- und Veranstaltungstechnik, der haustechnischen Infrastruktur sowie aller betriebsrelevanten Bereiche.
Diese Untersuchung führte ausdrücklich nicht zu der Empfehlung, das Gebäude aufzugeben oder abzubrechen. Vielmehr zeigte sich ein Kulturbau mit tragfähiger baulicher Substanz, hervorragender Akustik und technischen Anlagen, die trotz ihres hohen Alters ihre Aufgaben erfüllten. Modernisierungsbedarf besteht selbstverständlich. Er betrifft insbesondere Teilbereiche der Bühnen- und Haustechnik sowie der technischen Infrastruktur. Solche Maßnahmen entsprechen jedoch dem normalen Lebenszyklus eines Kulturbauwerks und lassen sich sinnvoll abschnittsweise umsetzen. Sie begründen aus fachlicher Sicht keinen Abriss.
Die derzeit diskutierten Neubauvarianten beruhen demgegenüber weitgehend auf Annahmen. Weder der tatsächliche Flächenbedarf noch die langfristigen betrieblichen Anforderungen oder die wirtschaftlichen Auswirkungen sind abschließend untersucht. Auch die zugrunde gelegten Kosten werden in den vorliegenden Unterlagen ausdrücklich als erste Annahmen und nicht als belastbare Berechnungen bezeichnet. Gleichzeitig würde das vorgesehene kleinere Veranstaltungsgebäude den räumlichen, funktionalen und künstlerischen Anforderungen des heutigen Theater- und Konzerthauses nicht gerecht werden. Es wäre kein gleichwertiger Ersatz, sondern eine deutliche Reduzierung der vorhandenen Möglichkeiten.
Gerade der Erhalt des bestehenden Gebäudes eröffnet erhebliche Chancen für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Es handelt sich um einen großzügig dimensionierten Kulturbau, wie er heute nur noch selten entsteht. Gebäude dieser Qualität gewinnen mit zunehmendem zeitlichen Abstand häufig zusätzlich an architektonischer und stadtgeschichtlicher Bedeutung. Nachhaltigkeit bedeutet deshalb nicht ausschließlich Neubau, sondern vor allem den verantwortungsvollen Umgang mit vorhandenen Ressourcen, der bereits gebundenen grauen Energie und gewachsenen städtebaulichen Strukturen. Zukunftsfähige Stadtentwicklung erkennt solche Potenziale und entwickelt sie weiter, anstatt sie vorschnell aufzugeben.
Gerade für eine Stadt wie Solingen kommt identitätsstiftenden Kulturorten eine besondere Bedeutung zu. Theater und Konzerthäuser sind weit mehr als Veranstaltungsstätten. Sie sind Orte der Begegnung, der Bildung, des öffentlichen Diskurses und der kulturellen Identifikation. Sie ziehen Menschen an, stärken Gastronomie, Einzelhandel und das öffentliche Leben und prägen die Wahrnehmung einer Stadt weit über ihre Grenzen hinaus. Ihre städtebauliche und gesellschaftliche Wirkung lässt sich deshalb nicht allein in Wirtschaftlichkeitsberechnungen ausdrücken.
Die Annahme, dass die Ansiedlung einer Feuerwache im Herzen einer Innenstadt zu einer nachhaltigen kulturellen und städtebaulichen Belebung führen könne, findet weder in der Stadtentwicklungsplanung noch in der kulturpolitischen oder architektonischen Fachdebatte eine belastbare Grundlage. Feuerwachen sind unverzichtbare Bestandteile der öffentlichen Daseinsvorsorge. Sie erfüllen jedoch eine vollständig andere Aufgabe als Kulturorte, deren Zweck darin besteht, Menschen anzuziehen, Begegnungen zu ermöglichen und urbane Identität zu stiften. Die Vorstellung, ein Theater könne in dieser Funktion durch eine Feuerwache mit einem deutlich kleineren Veranstaltungsgebäude ersetzt werden, dürfte sich kaum als beispielgebendes Modell einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung etablieren.
Bemerkenswert ist darüber hinaus, dass auch die Diskussionen und Informationen der Fraktionen zahlreiche Feststellungen enthalten, die eher für den Erhalt des bestehenden Hauses sprechen. Dort wird unter anderem festgestellt, dass das Theater seine Aufgaben weiterhin erfüllt, wesentliche Sanierungsmaßnahmen bereits vorgesehen sind und zahlreiche wirtschaftliche sowie planerische Fragen eines Neubaus noch ungeklärt sind. Diese Aussagen stehen aus fachlicher Sicht in einem deutlichen Spannungsverhältnis zu der Schlussfolgerung, einen Abriss als vorzugswürdige Lösung zu betrachten.
Ein Theater ist Teil der öffentlichen Infrastruktur einer demokratischen Stadtgesellschaft. Menschen besuchen Theater freiwillig – aus Interesse an Kultur, Bildung und gesellschaftlichem Austausch. Gerade darin liegt ihre städtebauliche Wirkung. Sie erzeugen Öffentlichkeit, Aufenthaltsqualität und Identifikation. Eine Feuerwehr erfüllt eine unverzichtbare Aufgabe der Gefahrenabwehr. Ihre Funktion ist jedoch eine grundlegend andere. Beide Einrichtungen gegeneinander auszutauschen, wird weder der Bedeutung der Feuerwehr noch der Bedeutung eines Kulturhauses gerecht.
Die Deutsche Theatertechnische Gesellschaft spricht sich deshalb ausdrücklich für den Erhalt und die schrittweise Modernisierung des Theater- und Konzerthauses Solingen aus. Die vorhandene Bausubstanz bietet eine tragfähige Grundlage für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung. Gleichzeitig eröffnet sie die Chance, einen einzigartigen Kulturort zu bewahren und ihn konzeptionell weiterzuentwickeln. Eine intelligente Sanierung verbindet Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und kulturelle Verantwortung in überzeugenderer Weise als der Abriss eines funktionierenden Kulturgebäudes zugunsten einer überwiegend infrastrukturellen Nutzung.
Schlussbemerkung
Die Deutsche Theatertechnische Gesellschaft vertritt seit über einem Jahrhundert die fachlichen Interessen der Theater- und Veranstaltungsbranche. Aus dieser Verantwortung heraus empfehlen wir, das Theater- und Konzerthaus Solingen nicht als Problem, sondern als Chance zu verstehen. Städte mit einer starken kulturellen Identität entstehen nicht durch den Austausch bewährter Kulturorte gegen funktionale Infrastruktur. Sie entstehen dort, wo vorhandene Qualitäten erkannt, weiterentwickelt und mit Verantwortung für kommende Generationen erhalten werden.
Wesko Rohde, Vorstandsvorsitzender der DTHG„
Reduzierte Sanierung als bevorzugte Lösung
Als beste Lösung betrachtet die Wählergemeinschaft SG zukunft. daher eine reduzierte Form der vom Stuttgarter Architekturbüro vorgeschlagenen Variante 2b. Auf den Neubau des Eingangsportals und zusätzliche Bühnen soll dabei verzichtet werden.
Vorgesehen wären stattdessen der Neubau der Werkstatt sowie die Sanierung des Daches, der Büros, der Schauspielgarderoben und des Requisitenlagers. Mit dieser Lösung ließe sich das Theater- und Konzerthaus nach Auffassung der SG zukunft. erhalten und zugleich auf die dringend notwendigen Arbeiten konzentrieren.







