Solingen – Geschichte entdecken, hinter sonst verschlossene Türen schauen und besondere Bauwerke aus einer neuen Perspektive erleben: Am Sonntag, 13. September, lädt der bundesweite „Tag des offenen Denkmals“ auch in Solingen wieder zu zahlreichen Besichtigungen ein. Mit dabei sind unter anderem ein Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, ein historisches Fachwerkhaus, die Lutherkirche und die Müngstener Brücke.
Der diesjährige Aktionstag steht unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“. In Solingen öffnen mehrere historische Orte ihre Türen und bieten Führungen, Ausstellungen und weitere Aktionen an. Alle Besichtigungen erfolgen auf eigene Gefahr.
Seltener Blick in den Bunker an der Max-Leven-Gasse
Einen außergewöhnlichen Einblick ermöglicht der Spar- und Bauverein Solingen gemeinsam mit der Stadt im Hochbunker an der Max-Leven-Gasse. Das 1940 errichtete Bauwerk ist – abgesehen vom Grundriss und der mobilen Ausstattung – weitgehend im Originalzustand erhalten.
Im Inneren befindet sich ein doppelläufiges Treppenhaus mit zwei voneinander unabhängigen, schraubenartig nach oben führenden Treppen. Im mittleren Kern liegen die ehemaligen Toilettenanlagen. Während des Zweiten Weltkriegs bot der Bunker bei Luftangriffen rund 500 Menschen Schutz.
Besichtigt werden kann das Bauwerk zwischen 11 und 16 Uhr. Führungen finden nach Bedarf mindestens alle 30 Minuten statt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Zusätzlich gibt es eine kleine Ausstellung.
Besucher sollten allerdings gut zu Fuß sein: Die Treppen sind teilweise uneben und nur eingeschränkt beleuchtet. Der Bunker ist nicht barrierefrei.
Fachwerkhaus an der Eipaßstraße
Ebenfalls geöffnet wird das Bergische Fachwerkhaus an der Eipaßstraße 86. Das verschieferte Gebäude stammt aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Zum Anwesen gehört außerdem ein ehemaliges Werkstatt- und Stallgebäude mit Satteldach.
Die Eigentümerfamilie öffnet das Denkmal von 11 bis 15 Uhr und bietet bei Interesse Führungen an.
Premiere im historischen Lieferkontor
Erstmals beteiligt sich auch das Besucherzentrum Lieferkontor an der Grünewalder Straße 29 bis 31 am Tag des offenen Denkmals. Geöffnet ist von 10 bis 14 Uhr.
Das historische Lieferkontor der Firma „Friedr. Herder Abr. Sohn“ erinnert an ein besonderes Kapitel der Solinger Industriegeschichte. Hier wurden einst Rohwaren ausgegeben und die fertigen Arbeiten der Heimarbeiter kontrolliert und bezahlt.
Eine Ausstellung widmet sich insbesondere den sogenannten „Liewerfrauen“. Sie transportierten teilweise bis zu 25 Kilogramm schwere Körbe mit Scherenteilen und Messerklingen zwischen Kotten, Schmieden und Fabriken durch das bergige Solingen.
Neben Führungen werden Speisen und Getränke angeboten. Zudem gibt es eine geführte Wanderung über den rund 8,5 Kilometer langen Liewerfrauenweg. Die Tour endet am historischen Wipperkotten an der Wupper. Für die Wanderung ist eine vorherige Anmeldung unter gstoo.de/liewerfrauenweg13-09 erforderlich.
Müngstener Brücke und der Weg zum Welterbe
Auch Deutschlands höchste Eisenbahnbrücke steht am Sonntag im Mittelpunkt. Die Müngstener Brücke ist ein Denkmal von nationaler Bedeutung und soll gemeinsam mit weiteren historischen Großbrücken in Europa UNESCO-Welterbe werden.
Im Haus Müngsten informiert eine kleine Ausstellung über das Wahrzeichen und das laufende Welterbe-Verfahren. Carsten Zimmermann, Welterbekoordinator und internationaler Projektleiter des Bewerbungsverfahrens, stellt den aktuellen Stand vor.
Die Präsentationen beginnen um 12, 13, 14 und 15 Uhr. Eine Anmeldung ist per E-Mail an welterbe-muengstener-bruecke@solingen.de erforderlich.
Lutherkirche öffnet auch ihren Turm
Ein weiteres Ziel ist die Evangelische Lutherkirche an der Kölner Straße 1a. Der neuromanische Zentralbau wurde zwischen 1898 und 1901 auf dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes errichtet.
Von 13 bis 18 Uhr können Besucher die Kirche besichtigen und sich über die aktuellen Planungen zu ihrem Erhalt informieren. Kirchenführungen einschließlich einer Turmbesteigung beginnen um 13, 14, 15 und 16 Uhr. Für die Turmbesteigung ist festes Schuhwerk erforderlich.
Ergänzt wird das Programm durch DVD-Vorführungen sowie Kaffee, Kuchen und Getränke.
Denkmäler in ganz Deutschland öffnen
Der Tag des offenen Denkmals wird seit 1993 von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert und findet jährlich am zweiten Sonntag im September statt. Ziel ist es, historische Bauwerke und archäologische Stätten stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.
Gerade der Aktionstag bietet dabei die Gelegenheit, Denkmäler und Bereiche kennenzulernen, die im Alltag nicht oder nur eingeschränkt für die Öffentlichkeit zugänglich sind.







