Solingen – Sie sind da, wenn Menschen plötzlich mit Tod, schweren Unfällen oder anderen belastenden Situationen konfrontiert werden: Die Solinger Notfallseelsorge hat Verstärkung bekommen. Fünf Frauen und zwei Männer wurden in einem feierlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Clemens als neue ehrenamtliche Notfallseelsorger eingeführt.
Gemeinsam mit den bereits aktiven Ehrenamtlichen sowie den Pfarrern der Evangelischen Kirche in Solingen sorgen sie künftig dafür, dass die Notfallseelsorge an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr einsatzbereit ist. Alarmiert werden die Seelsorger ausschließlich durch Polizei oder Feuerwehr. Ihre Aufgabe ist es, Menschen in besonders schwierigen Situationen beizustehen und „Erste Hilfe für die Seele“ zu leisten.
Anspruchsvolle Aufgabe nach gründlicher Ausbildung
Bei dem Gottesdienst wünschten Vertreter der Evangelischen und Katholischen Kirche den neuen Notfallseelsorgern Gottes Segen für ihre künftige Arbeit. Superintendentin Ilka Werner erklärte die Bedeutung der Notfallseelsorge für die Kirche: „In der Notfallseelsorge lassen wir Menschen in der Not nicht allein – genauso wie Jesus Menschen nicht allein gelassen hat.“
Stadtdechant Thomas Kuhl betonte in seiner Predigt: „Es geht darum, für Menschen da zu sein, die jemanden brauchen, um im Gespräch das abzugeben, was ihnen gerade besonders auf der Seele lastet. Bei dieser Aufgabe dürfen Sie Gott auf Ihrer Seite wissen.“
Neben Vertretern der Kirchen und des Rathauses nahmen zahlreiche Angehörige von Rettungsdiensten und Polizei sowie Notfallseelsorger aus Solingen und benachbarten Städten an dem Gottesdienst teil. „Ich begrüße die Mitglieder der Blaulicht-Familie“, hieß Koordinatorin Simone Henn-Pausch die Gäste willkommen.
Bei einem anschließenden Empfang dankten auch Oberbürgermeister Daniel Flemm, Feuerwehrchef Sebastian Wagner, der Erste Hauptkommissar Thomas Eidmann für die Solinger Polizei sowie ein Vertreter des Landespfarramts für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland den neuen und erfahrenen Kräften für ihr Engagement. Moderiert wurde der Empfang von Stephan Kunze, Vorsitzender des Fördervereins Notfallseelsorge Solingen.

Bevor die sieben neuen Ehrenamtlichen ihren Dienst aufnehmen, haben sie eine umfangreiche Ausbildung absolviert. Dazu gehören unter anderem Kommunikationstheorien, Trauerbegleitung, theologisches Grundwissen und Kenntnisse über die Abläufe bei Rettungseinsätzen.
Koordiniert wird die Ausbildung von Simone Henn-Pausch gemeinsam mit dem Landespfarramt für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche im Rheinland. Zu Beginn begleiten die neuen Kräfte erfahrene Notfallseelsorger bei Einsätzen. Auch nach Abschluss ihrer Ausbildung werden sie weiter qualifiziert und durch Supervision begleitet. Einen Großteil der Ausbildungskosten tragen der Förderverein und der Evangelische Kirchenkreis.
Im Durchschnitt zwei Einsätze pro Woche
Die Notfallseelsorge wird in Solingen von der Evangelischen Kirche organisiert und vom Förderverein Notfallseelsorge Solingen sowie der Katholischen Kirche unterstützt. Zum Einsatz kommt sie beispielsweise nach einem häuslichen Todesfall, wenn Rettungskräfte zum nächsten Einsatz weiterfahren müssen und Angehörige zurückbleiben. Auch nach schweren Verkehrsunfällen sowie bei Suiziden oder Suizidversuchen können die Seelsorger alarmiert werden.
„Wir leisten Erste Hilfe für die Seele, wenn der Rettungsdienst wieder gehen muss. Dabei spielt es keine Rolle, welche Konfession oder welchen Glauben jemand hat“, erklärt Simone Henn-Pausch.
Im Durchschnitt wird die Solinger Notfallseelsorge zweimal pro Woche gerufen. Die Bereitschaft besteht rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. Jeweils etwa die Hälfte der Bereitschaft übernehmen evangelische Pfarrer und ehrenamtliche Notfallseelsorger.







