Staatsanwaltschaft bestätigt auf Nachfrage der Solinger Nachrichten: Der Mann befindet sich weiterhin in Polizeigewahrsam. Eine Vorführung vor den Haftrichter wird geprüft.
Wuppertal. Nach dem Brandanschlag auf die Bergische Synagoge in Wuppertal sind weitere Einzelheiten über den festgenommenen Tatverdächtigen bekannt geworden. Bei dem 37-Jährigen handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen afghanischen Staatsbürger. Der Mann soll bereits zuvor polizeilich in Erscheinung getreten sein.
Die Solinger Nachrichten hatten unmittelbar nach der Tat über den Anschlag berichtet. Zu diesem Zeitpunkt lagen noch keine näheren Angaben zur Person des Festgenommenen vor.
Feuer an einem Nebeneingang gelegt
Nach den bisherigen Ermittlungen soll der 37-Jährige am Donnerstag, 17. September 2026, gegen 13:55 Uhr versucht haben, die Bergische Synagoge an der Gemarker Straße in Wuppertal-Barmen in Brand zu setzen.
An einem Nebeneingang wurde eine brennbare Flüssigkeit entzündet. Angehörige der jüdischen Gemeinde bemerkten das Feuer und konnten es schnell löschen. Menschen wurden bei dem Anschlag nicht verletzt. An der Tür und im Bereich der Treppe entstanden Verrußungen. Der Sachschaden blieb nach ersten Erkenntnissen gering.
Der Tatverdächtige soll nach der Tat zunächst geflüchtet sein. Polizisten nahmen den 37-Jährigen jedoch kurze Zeit später in der Nähe des Tatortes fest.
Polizei konnte am Donnerstagabend keine Auskunft geben
Noch am Donnerstagabend konnte ein Polizeisprecher auf Nachfrage keine Auskunft dazu geben, ob sich der 37-Jährige weiterhin in Polizeigewahrsam befand oder zu diesem Zeitpunkt bereits wieder auf freiem Fuß war.
Damit blieb zunächst eine für die Öffentlichkeit zentrale Frage zum weiteren Umgang mit dem Tatverdächtigen unbeantwortet. Auch ob eine Vorführung vor einem Haftrichter vorgesehen war, konnte zu diesem Zeitpunkt nicht geklärt werden.
Staatsanwaltschaft bestätigt: Tatverdächtiger weiterhin in Polizeigewahrsam
Eine Nachfrage der Solinger Nachrichten bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal brachte am Freitagvormittag dann aber endlich Klarheit: Der 37-jährige Tatverdächtige befand sich zu diesem Zeitpunkt weiterhin in Polizeigewahrsam.
Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert wird derzeit intensiv geprüft, ob der Mann noch im Laufe des Freitags einem Haftrichter vorgeführt wird. Ziel wäre die Anordnung der Untersuchungshaft.
Ob tatsächlich ein entsprechender Antrag gestellt wird und wie ein Haftrichter darüber entscheidet, stand am Freitagvormittag noch nicht fest. Für den Tatverdächtigen gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Überwachungskameras zeichneten Geschehen auf
Der Staatsanwaltschaft liegen nach Angaben Baumerts Videoaufnahmen aus den Überwachungskameras der Bergischen Synagoge vor. Das Material dürfte für die Rekonstruktion des Tatablaufs und die weiteren Ermittlungen von besonderer Bedeutung sein.
Auf den Aufnahmen sind auch zwei junge Frauen zu erkennen, die sich zum Zeitpunkt der Tat in unmittelbarer Nähe der Synagoge aufgehalten haben sollen. Nach ihnen wird inzwischen öffentlich gesucht.
Die Ermittlungsbehörden betonen jedoch, dass die beiden Frauen derzeit als Zeugen und nicht als weitere Tatverdächtige gelten. Von ihren Beobachtungen erhoffen sich Polizei und Staatsanwaltschaft möglicherweise wichtige Hinweise zum Ablauf der Tat.
Polizei bittet weitere Zeugen um Hinweise
Neben den beiden Frauen werden auch weitere Zeugen gesucht, die den Tatverdächtigen oder das Geschehen an der Synagoge beobachtet haben. Hinweise nimmt die Polizei unter der Rufnummer 0202/284-0 entgegen. In dringenden Fällen soll der Notruf 110 gewählt werden.
Staatsschutz in die Ermittlungen eingeschaltet
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen. Auch der Staatsschutz ist eingeschaltet. Ob der Tatverdächtige aus einem antisemitischen, religiösen oder anderen politischen Beweggrund gehandelt haben könnte, ist bislang nicht geklärt.
Aus der afghanischen Staatsangehörigkeit des Mannes lassen sich keine Rückschlüsse auf sein mögliches Tatmotiv ziehen. Weitere Angaben zu seinem Aufenthaltsstatus oder seinen persönlichen Verhältnissen wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Erneuter Anschlag auf die Bergische Synagoge
Der Vorfall ereignete sich nur wenige Tage vor Jom Kippur, dem höchsten Feiertag des Judentums. Die Tat hat deshalb auch über Wuppertal hinaus große Bestürzung ausgelöst.
Bereits im Juli 2014 war die Bergische Synagoge Ziel eines Brandanschlags geworden. Damals hatten drei Männer mehrere Brandsätze in Richtung des Gebäudes geworfen. Menschen wurden auch bei diesem Anschlag nicht verletzt.
Die Ermittlungen zu der aktuellen Tat dauern an. Die Solinger Nachrichten werden über die Entscheidung zur möglichen Untersuchungshaft und weitere gesicherte Erkenntnisse berichten.







