SOLINGEN. Die Zukunft des Theater und Konzerthauses und die Neuordnung der Solinger Feuer- und Rettungswachen gehören zu den größten Investitionsentscheidungen, die in den kommenden Jahren auf die Stadt zukommen. Einen Tag vor der Ratssitzung am Donnerstag haben CDU, SPD, SG zukunft. und BfS nun einen gemeinsamen Änderungsantrag vorgelegt. Darin verständigen sich die vier Fraktionen darauf, jeweils drei Varianten genauer untersuchen zu lassen.
Eine Vorentscheidung für einen bestimmten Standort oder ein konkretes Modell soll damit zunächst vermieden werden. Stattdessen soll eine vertiefte Machbarkeitsstudie belastbare Zahlen und Fakten liefern, bevor der Rat eine endgültige Entscheidung trifft.
Dabei geht es um erhebliche Summen. Nach Einschätzung der Antragsteller ist bei jeder der zur Diskussion stehenden Varianten mit Kosten im dreistelligen Millionenbereich zu rechnen. Die endgültige Entscheidung soll deshalb erst im Sommer 2027 fallen.
Drei Varianten für das Theater und Konzerthaus
Beim Theater und Konzerthaus soll zunächst geprüft werden, ob das bestehende Gebäude am Schlagbaum grundlegend saniert werden kann. Grundlage dafür wäre die bereits vorliegende Variante 2b der Szenarienstudie von LRO Architekten.
Als zweite Möglichkeit steht ein Neubau auf dem ehemaligen Evertz-/Omega-Gelände zur Diskussion. Dieser soll mit zwei Sälen untersucht werden. Die dritte Variante führt in die Solinger Innenstadt: Auf dem Areal des ehemaligen Kaufhofs und von P&C am Fronhof könnte ein neues Theater und Konzerthaus mit einem Saal entstehen.
Zwei bislang ebenfalls diskutierte Modelle sollen dagegen nicht weiterverfolgt werden. Dazu gehören die bloße Instandsetzung des bestehenden Theater und Konzerthauses ohne langfristige Entwicklungs- und Bestandsperspektive sowie ein Neubau mit nur einem Saal auf dem Omega-Gelände.
Gerade bei der Sanierungsvariante wollen die Fraktionen genauer wissen, welche Kosten tatsächlich entstehen würden. Deshalb sollen die Aufwendungen für die notwendige Kernsanierung, mögliche zusätzliche Gebäude für Personal und Lager sowie weitere Baumaßnahmen getrennt berechnet werden. Genannt werden beispielsweise ein neuer Eingangsbereich, ein Paletten-Parkhaus und repräsentative Zugänge von der Konrad-Adenauer-Straße.
Bei allen drei Theater-Varianten sollen außerdem der notwendige Parkraum und die Voraussetzungen auf den jeweiligen Grundstücken untersucht werden. Dazu gehören unter anderem vorhandene Gebäude, mögliche Gefahrstoffbelastungen, Eigentumsverhältnisse, Kaufverhandlungen und realistische Grundstückspreise.
Auch bei den Feuerwachen bleiben drei Möglichkeiten im Rennen
Parallel dazu soll die Stadt die künftige Struktur der Solinger Feuer- und Rettungswachen genauer untersuchen lassen. Auch hier legen sich CDU, SPD, SG zukunft. und BfS noch nicht auf eine Lösung fest.
Die erste Möglichkeit wäre, am bestehenden Masterplan festzuhalten und die bisherigen Planungen für die Feuer- und Rettungswachen I und III weiterzuentwickeln.
Eine deutlich andere Lösung wäre der Neubau einer zentralen Feuer- und Rettungswache am Schlagbaum. Die bisherigen Planungen für die Wachen I und III würden in diesem Fall entfallen.
Als dritte Möglichkeit soll der bestehende Masterplan grundsätzlich überarbeitet und nach Einsparpotenzialen gesucht werden, ohne dabei Abstriche bei der Qualität zu machen. Als Beispiel führen die Fraktionen eine mögliche Verlagerung der Branddirektion in einen Neubau der Wache I auf dem Omega-Gelände an.
Verkehr am Schlagbaum soll besonders untersucht werden
Ob eine zentrale Feuer- und Rettungswache am Schlagbaum überhaupt sinnvoll umgesetzt werden könnte, soll zunächst ein Verkehrsgutachten klären.
Dabei geht es vor allem um die Frage, welche Folgen die bei Feuerwehreinsätzen notwendige Rotlichtschaltung für die ohnehin stark belastete Kreuzung hätte. Untersucht werden sollen ausdrücklich auch die Auswirkungen auf die vier Hauptverkehrsachsen, die an dieser Stelle zusammentreffen.
Die Varianten für die Feuer- und Rettungswachen sollen unabhängig von der Theaterstudie durch entsprechende Fachbüros geprüft werden. Auch dabei sollen die jeweiligen Grundstücksvoraussetzungen detailliert betrachtet werden.
Fraktionsvorsitzende sollen den Prozess begleiten
Die vier Fraktionen wollen die weitere Planung zudem eng politisch begleiten. Vorgesehen ist ein Lenkungskreis, dem die Vorsitzenden der Ratsfraktionen angehören sollen. Bei Verhinderung können sie von ihren Stellvertretern vertreten werden.
Der Lenkungskreis soll den weiteren Prozess im Rahmen der Ratsbeschlüsse mitsteuern und beispielsweise an der Auswahl der Gutachterbüros beteiligt werden. Selbst die Ausschreibung für die vertiefte Machbarkeitsstudie soll vor ihrer Veröffentlichung mit dem Gremium abgestimmt werden.
Nach Abschluss der Untersuchungen soll auch die Bevölkerung einbezogen werden. Der gemeinsame Antrag sieht ausdrücklich vor, genügend Zeit für eine Bürgerbeteiligung einzuplanen.
Entscheidung soll erst im Sommer 2027 fallen
CDU, SPD, SG zukunft. und BfS machen in ihrem Antrag deutlich, welche Bedeutung sie der anstehenden Entscheidung beimessen. Beim Theater und Konzerthaus gehe es nicht allein um Kultur, sondern ebenso um die finanzielle und städtebauliche Zukunft Solingens. Bei den Feuer- und Rettungswachen komme die unmittelbare Bedeutung für die Sicherheit der Stadt hinzu.
Die Fraktionen verweisen zugleich darauf, dass die verschiedenen Lösungen in der Bevölkerung und bei den unmittelbar Beteiligten durchaus unterschiedlich bewertet werden. Gerade deshalb sollen zunächst möglichst belastbare Grundlagen geschaffen werden.
Festlegen will sich die Politik anschließend: Nach Vorstellung der vier Fraktionen soll der Rat im Sommer 2027 auf Grundlage der Ergebnisse entscheiden, welche Variante tatsächlich umgesetzt wird.
Unterzeichnet ist der gemeinsame Änderungsantrag von Carsten Voigt für die CDU, Ernst Lauterjung für die SPD, Jan Höttges für SG zukunft. und Jan Michael Lange für die BfS. Der Antrag soll am Donnerstag im Solinger Stadtrat unter Tagesordnungspunkt 21 beraten werden.







