SOLINGEN. Die Weichen für eine der größten Zukunftsentscheidungen der kommenden Jahre in Solingen sind gestellt: Der Rat hat am Donnerstagabend mit deutlicher Mehrheit beschlossen, drei Varianten für die Zukunft des Theater und Konzerthaus sowie der Feuer- und Rettungswachen genauer untersuchen zu lassen. 66 der 80 anwesenden Ratsmitglieder stimmten für eine vertiefte Machbarkeitsstudie.
Grundlage ist die im Sommer vorgelegte Szenarienstudie des Architekturbüros LRO. Aus den darin entwickelten Möglichkeiten sollen nun drei Varianten detailliert auf Kosten, Machbarkeit und Auswirkungen auf die Stadt untersucht werden. Eine endgültige Entscheidung ist damit noch nicht gefallen.
„Mit dem Beschluss hat der Rat die erste Weiche für die Entwicklung der Solinger Kultur und für eine langfristig leistungsfähige Feuerwehr gestellt“, erklärt Oberbürgermeister Daniel Flemm. Die Machbarkeitsstudie solle die Grundlage für weitere „faktenorientierte und ergebnisoffene Entscheidungen“ bilden.
Nun komme es darauf an, den Prozess zügig voranzubringen und gemeinsam mit Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft Lösungen zu entwickeln, „die unsere Stadt über Jahrzehnte tragen“, so Flemm.
Diese drei Varianten kommen auf den Prüfstand
Variante 1: Sanierung des bestehenden Theater und Konzerthaus
Das Theater und Konzerthaus bleibt am heutigen Standort am Schlagbaum und wird umfassend saniert. Neben Gebäudetechnik, Brandschutz, Statik und Energiekonzept sollen auch die Innen- und Außenbereiche modernisiert sowie vorhandene Schadstoffe beseitigt werden. Zusätzlich soll geprüft werden, welche erweiterten Nutzungsmöglichkeiten das Gebäude künftig bieten könnte.
Bei der Feuerwehr würde grundsätzlich am Drei-Wachen-Konzept festgehalten. Gleichzeitig soll der bestehende Masterplan Feuerwehr überarbeitet werden.
Variante 2: Neues Theater und Konzerthaus auf dem Omega-Gelände
Nahe dem Südpark könnte ein neues Theater und Konzerthaus entstehen. Vorgesehen ist eine Lösung, bei der historische Industriehallen auf dem Omega-Gelände mit neuen Gebäudeelementen verbunden werden – vergleichbar mit dem Konzept der Jahrhunderthalle in Bochum.
Auf dem heutigen Gelände des Theater und Konzerthaus am Schlagbaum könnte dafür eine neue Zentralwache der Feuerwehr entstehen. Die bisherigen Wachen am Frankfurter Damm und an der Katternberger Straße würden dort zusammengeführt. Die Wache an der Brunnenstraße bliebe als Nebenwache bestehen.
Variante 3: Kulturzentrum am Fronhof
Die dritte Möglichkeit führt mitten in die Solinger Innenstadt. Das leerstehende ehemalige P&C-Gebäude am Fronhof würde abgerissen und durch ein neues Kultur- und Veranstaltungszentrum ersetzt.
Vorgesehen wäre dort ein Saal, der sowohl für Theateraufführungen als auch für Konzerte genutzt werden kann. Auch bei dieser Variante könnte auf dem bisherigen Theatergelände am Schlagbaum die neue Zentralwache der Feuerwehr entstehen. Die Brunnenstraße bliebe Nebenwache.
Kosten, Verkehr und Stadtentwicklung werden untersucht
Die Machbarkeitsstudie soll deutlich tiefer gehen als die bisherige Szenarienbetrachtung. Untersucht werden unter anderem die Investitionskosten und langfristigen finanziellen Folgen, die Möglichkeiten für den Kulturbetrieb, technische Anforderungen sowie die Auswirkungen auf den Verkehr.
Auch die städtebaulichen Folgen für Nordstadt, Innenstadt und Südstadt sollen eine wichtige Rolle spielen.
Während der Untersuchungen läuft der Betrieb im Theater und Konzerthaus zunächst wie gewohnt weiter.
Entscheidung soll 2027 fallen
Mit Ergebnissen der vertieften Machbarkeitsstudie rechnet die Stadt voraussichtlich Ende des zweiten Quartals 2027. Anschließend soll der Rat einen Grundsatzbeschluss darüber fassen, welche Variante tatsächlich umgesetzt werden soll. Erst danach würden die konkreten Detailplanungen beginnen.
Bis dahin sollen Politik und Stadtgesellschaft in den Prozess eingebunden werden. Ein Lenkungskreis mit Vertretern der Ratsfraktionen soll die Untersuchungen begleiten und Anforderungen sowie Anregungen in die Planungen einbringen.
Darüber hinaus sind Beteiligungsformate für die Solinger Bevölkerung vorgesehen. Dabei sollen ausdrücklich auch Kinder und Jugendliche einbezogen werden. Erste Angebote für junge Solinger sind nach Angaben der Stadt bereits für die Herbstferien in Vorbereitung.
Großer Handlungsbedarf bei Kultur und Feuerwehr
Dass Solingen handeln muss, gilt seit längerem als unstrittig. Das Theater und Konzerthaus stammt aus den frühen 1960er-Jahren und weist einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Unter anderem müssen Brandschutz und Haustechnik erneuert werden. Hinzu kommt die Schadstoffproblematik: Bei größeren Umbauarbeiten besteht nach Angaben der Stadt das Risiko, dass Asbest freigesetzt wird.
Auch bei der Feuerwehr besteht erheblicher Investitionsbedarf. Die Wachen an der Katternberger Straße und am Frankfurter Damm sind rund 80 Jahre alt, befinden sich in einem schlechten baulichen Zustand und entsprechen nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Feuer- und Rettungswache.
Mit dem Ratsbeschluss ist damit noch keine Entscheidung über Abriss, Sanierung oder Neubau gefallen. Fest steht jetzt aber, welche drei Wege Solingen genauer untersuchen wird. Die eigentliche Richtungsentscheidung soll 2027 folgen.







